Kapitel 127

ABER- ODER UND- SAGER

Dr. Bodo SchiffmannGeschrieben Juli–September 2022Originalseiten 598–601
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Kennt Ihr das Gefühl, dass ihr einen tollen Abend mit Freunden beim Essen erlebt und dann einer der Gäste entweder alles besser weiß, oder zu jedem einzelnen Satz ein „Aber“ zu ergänzen hat. Er möchte weder die Meinung des Anderen hören oder wissen, noch möchte er ernsthaft zu Gelingen des Abends beitrage. Er möchte nur seine negative Energie auf andere übertragen, bewußt oder unbewußt. Man nennt diese Menschen auch Energievampire, weil man in Ihrer Gegenwart ein beklemmendes Gefühl hat und sich von Minute zu Minute ausgelaugter und leerer fühlt. Ein Merkmal ist mir persönlich aufgefallen, es sind Menschen die in vielen Fällen jede Antwort auf Deine Ausführung mit dem Wort „Aber“ Einleiten. Also immer eine Antwort, die Deine eigene Idee oder Ausführung erniedrigt, denn der Gesprächsgegner (Partner wäre nicht passend), möchte eigentlich einen Kampf gegen Dich gewinnen. Er interessiert sich nicht für Deine Argumente, sondern nur dafür ein Gegenargument zu finden, sei es ein stichhaltiges oder nicht. Gerade heute hatte ich wieder eine Begegnung dieser Art. Es hat mir im wahrsten Sinne des Wortes den Appetit verdorben mit ihm an einem Tisch zu sitzen, und ich möchte ihn eigentlich nicht mehr als meinen Tischnachbarn haben. Ich würde mir wünschen, er würde sich aus meinem Leben zurückziehen. Interessant, denn in unserer Bewegung passiert mir das fast nie. Warum ist es so schwer zu ertragen, wenn jemand immer wieder im Erwiderungsmodus ist. Es liegt daran, dass man sich in einem Kampf verwickelt führt, den man selbst nicht provoziert hat. Das schlimmste ist sicherlich, dass man hier nicht gehört wird und obwohl man schon Signale aussendet, dass man keinen Kampf möchte, das Spiel immer weiter geht. Ich habe in diesem Fall meinem neuen Hotelgast erklärt, dass ich meinen Blick nach vorne richten möchte und keine negativen Energien spüren möchte, wenn ich mich eigentlich auf einen lustigen und

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schönen, positiven Abend mit Freunden freue. Trotz deutlicher Abgrenzung ging der Kampf aber weiter. Es kam kein „und“ es kam keine positive Energie und es gab auch keinen Impuls das Thema zu beenden.Also bin ich gegangen. Es ist wichtig Grenzen zu setzen. Es fällt manchmal nicht leicht ein Schlachtfeld zu verlassen, aber ich bin zu alt und auch zu klug aussichtslose Kämpfe zu führen, die mich am Ende nur meine wichtigste Ressource kosten. Der Rohstoff, der nicht erneuerbar ist, ist die Zeit. Jede Minute, die man in einer Vergangenheit verbringt, die man nicht ändern kann, zerstört die Gegenwart und verhindert die Zukunft. Man kann nicht mit allen Menschen reden. „You can’t be everybody’s darling“ und Du solltest es auch nicht versuchen. Gesprächskultur kann man lernen, wenn man merkt, dass man mit einem Menschen am Tisch oder im Gespräch ist, der diese Form der Gesprächskultur noch nicht erlernt hat, dann sollte man ihn förmlich aber bestimmt auf die Grenzen hinweisen. Es gibt keine Möglichkeit ihm produktives Zuhören in 5 Minuten zu vermitteln. Er spricht eine andere Sprache. Ich habe mich dagegen entschieden gute Miene zum bösen Spiel zu machen und bin gegangen. Das wird nicht jeder verstehen, aber meine Höflichkeit hatte ihre Grenzen längst erreicht. Ich bin nicht stolz darauf, wenn ich einen Abend sprenge, nur weil ich gehe. Mancher wird denken ich sei beleidigt. Die Wahrheit ist, ich fühle mich dann Hilflos und missbraucht. Ich muß jemand zuhören undicht Aufmerksamkeit schenken, obwohl mich seinen Einstellung und Perspektive beleidigt. Ich will ihn nicht überzeugen und er kann seine Meinung auch gerne behalten. Ich möchte aber auch nicht überzeugt werden. Beispiel: Wenn ich Christ bin kann ich mich stundenlang mit einem Moslem über seine Religion unterhalten. Ich finde es spannend die Unterschiede zu finden, seinen Begeisterung zu verstehen, aber ich möchte nicht von ihm zwangsbekehrt werden. Ich will ich keinen Moslem zum Christen machen.

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Respekt bedeutet die andere Meinung zu akzeptieren und nicht jemand zu überzeugen. Manche Menschen leben leider nach dem Grundsatz:“und willst Du nicht mein Bruder sein, dann schlag ich dir den Schädel ein“. Ich ziehe mich dann zurück. Ich bin kein Missionar.

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