Kapitel 097

RAT DER WEISEN?

Dr. Bodo SchiffmannGeschrieben Juli–September 2022Originalseiten 477–480
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In vielen Kulturen und menschlichen Gemeinschaften gibt es einen Ältestenrat oder Rat der Weisen. Als Beispiel nenne ich wieder einmal die Massai in Tansania. Wenn der Krieger älter als 45 Jahre geworden ist, wird er zu einem Mitglied des Ältestenrates, weil er über mehr Lebenserfahrung als die jungen Krieger verfügt. Diese Menschen wachen über das Wissen der Generationen und bewahren Traditionen und lehren anderen die Kunst der medizinischen Behandlung und der Kräuterkunde. Sie sind keine Häuptlinge oder Herrscher, sondern erfahrene Berater und versuchen Streit zu schlichten oder zu verhindern. Ein Rat der Weisen ist kein Gericht und keine Regierung. Es sind Experten eines Themengebietes, die sich zusammen an einen Tisch setzen und versuchen ein Problem sachlich von allen Seiten zu beleuchten und darzustellen, danach sollten sie Ihre Erkenntnisse wiederum gemeinsam präsentieren, wobei darauf geachtet werden muss, dass jede Facette auch zur Geltung gebracht wird. Wenn sich nach der öffentlichen Darlegung neue Experten mit einer abweichenden Meinung finden, sollte auch diese der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Gerade bei Problemen, die die ganze Bevölkerung betreffen, sollte es zu regelmäßigen, optimalerweise öffentlichen Konferenzen der unterschiedlichen Meinungen kommen. Jeder sollte, z.B. online seine Fragen zu einem Thema stellen dürfen (Mentimeter.com ist hierzu als Beispiel eine gute Plattform um Fragen zu werten, bevor sie gestellt werden.).

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Bis man hier eine optimale Plattform und Lösung gefunden hat, wird es ggf. etwas dauern, aber auf diese Weise könnte auch ein Bürger, einen offenen Austausch initiieren, an dem jeder teilnehmen könnte.

Seien es wichtige Themen wie ein fraglicher Klimawandel, Kriegseintritt, Waffenlieferungen, Geo-Engineering, Ausbau von Kommunikationsnetzen (5G) oder andere Themen. Jeder könnte sich daran beteiligen und wenn die Diskussionen LIVE erfolgen, wäre auch eine Zensur nicht möglich. Dies würde helfen mehr Verständnis zu erreichen. Dazu sollte man Kommunikationsformen wie den „Talking-Stick“ als Grundlage verwenden, um von vorneherein Missverständnisse zu vermeiden und auszuräumen (der Talking Stick wird im Kapitel „Richter“ und „Win-Win“ noch einmal erläutert, so dass ich mir hier eine ausführliche Beschreibung sparen kann. Vereinfacht, muss ein Gegner in einer Verhandlung zunächst die Position seines Kontrahenten so wiedergeben, dass dieser sich verstanden fühlt, bevor er an die Reihe kommt mit seinen Argumenten. Experten sollten von Kontrahenten eingesetzt werden und nicht einseitig von einer Autoritätsstelle wie der Regierung. Anhörungen sollten immer öffentlich erfolgen, gerade wenn es sich um sensible Themen wie Sanktionen oder Waffenlieferungen handelt, denn dann hat auch der Sanktionierte die Möglichkeit die Diskussion zu verfolgen und sich ein Bild über die Argumente der verschiedenen Seiten zu machen.

Bevor es dann zu wichtigen Entscheidungen, wie dem Abschalten von Kraftwerken kommt, müssen die Hauptakteure in den Regierungen (sollte man sie noch brauchen) immer erst zeigen, dass sie die Bedenken der Gegenseite verstanden haben und belegen, dass Ihre Argumente besser sind als diese. Auch hier sollte die Endabstimmung nicht durch Politiker passieren, sondern durch die Menschen, die die Diskussion

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aktiv verfolgt haben und sich als Mitentscheider zu diesem Streitgespräch registriert haben.

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