KARDINALTUGENDEN
Wenn man sich mit den Begriff Todsünde und Lässliche Sünde beschäftigt, kommt man auch nicht um die Kardinaltugenden herum. Aber was ist das eigentlich:
Wikipedia schreibt dazu: Die Gruppe von vier Haupttugenden ist erstmals bei dem griechischen Dichter Aischylos belegt, in seinem 467 v. Chr. entstandenen Stück Sieben gegen Theben (Vers 610). Er scheint sie als bekannt vorauszusetzen; daher wird vermutet, dass sie schon im griechischen Adel des 6. Jahrhunderts v. Chr. geläufig waren. Aischylos charakterisiert den Seher Amphiaraos als tugendhaften Menschen, indem er ihn als
verständig (sóphron), gerecht (díkaios), fromm (eusebés) und tapfer (agathós) bezeichnet. Der Begriff agathós („gut“) ist hier, wie in vielen Inschriften, im Sinne von „tapfer“ (andreios) zu verstehen.
Edel sei der Mensch hilfreich und gut… sagte schon Johann Wolfgang von Goethe in seinem Kurzgedicht „Das Göttliche“
Ich kann jedenfalls mit diesen guten Eigenschaften mehr anfangen als mit den sogenannten Todsünden (siehe dort). Verständig ist für mich ein Mensch, der versucht andere zu verstehen. Es ist jemand der zuhört und etwas annehmen kann und der nicht vorschnell urteilt. Ziel ist es ein Verständnis zu entwickeln und damit nicht blind auf den eigenen Positionen zu beharren. Wer es schafft,
verständig zu sein, ist gleichzeitig emphatisch. Da Menschen ein Gespräch dann als toll empfinden, wenn sie mehr reden als der andere, wird der Verständige zusätzlich auch noch sympathisch. Er lässt anderen den Raum, den sie brauchen und versucht zu lernen, statt zu urteilen.
Gerecht: Gerechtigkeit der Erden, Oh Herr hat Dich getötet, konnte man in der „Waage der Baleks“ bei Heinrich Böll lesen. Jesus wurde verurteilt und hingerichtet, weil er zu seiner Zeit gegen Gesetze verstoßen hat. Menschen wurden beim Fluchtversuch aus der DDR erschossen, weil es gesetzlich vorgegeben war. Querdenker wurden zu Verbrechern erklärt, weil man ihnen eine verfassungsfeindliche Delegitimierung des Staates vorgeworfen hat. Viele Gerichtsurteile seit 2020, wurden gegen jede Faktenlage gefällt, weil der Staat eine Regel erlassen hat, die schreiendes Unrecht hervorruft.
Gerecht ist nur der, der ohne Ansehen einer Person versucht, objektiv alle Beweise, für oder gegen eine Schuld zu sammeln und nur dann ein Urteil gegen einen Angeklagten zu sprechen, wenn dieser zweifelsfrei und sicher schuldig ist. Wenn es auch nur den geringsten Zweifel gibt, muss weiter ermittelt und der Angeklagte freigesprochen werden, bzw. bis zum Beweis des Gegenteiles in Freiheit bleiben.
Gerecht zu sein ist sehr schwierig, denn der Gerechte muss auch kritisch gegenüber sich selbst sein, um zu erkennen, wann er sich von Gefühlen oder Neid, Hass oder Ablehnung leiten lässt. Viele Urteile, die gefällt werden und wurden, dürften nicht existieren, weil Zweifel bestehen oder bestanden.
Wer ist gerecht? Was ist ungerecht. Sind Gesetze gerecht? Wie kann es dann sein, dass es Gesetze, wie die des Schießbefehles an der innerdeutschen Grenze, gegeben hat. Was wäre denn passiert, wenn man den „Flüchtling“ einfach hätte laufen lassen, er hatte bestimmt gute Gründe für seine Entscheidung.
Es kann also niemand gerecht sein, ohne dass er gleichzeitig verständig ist.
Diese beiden Tugenden sind untrennbar. Wenn ich nicht verständig bin, für beide Seiten, kann ich niemals gerecht sein.
Fromm: Ich würde fromm mit gläubig bezeichnen und hier ein Bibelzitat anbringen:
Es ist aber der Glaube, eine gewisse Zuversicht, des das man hoffet, und ein nicht zweifeln, an dem das man nicht sieht.
Frömmigkeit setzt also blindes Vertrauen in eine Vision, ein Ziel oder eine Religion voraus. Auch Jesus weist immer wieder darauf hin, dass es das Wichtigste ist zu vertrauen und zu glauben: An sich selbst, an ein Ziel, an Gott an eine Vision. Ich würde im Zusammenhang der Tugenden hier sogar die biblische Ebene verlassen und sagen es ist wichtig, dass ein Mensch an sich, an seine Ziele und seine Visionen und wenn er religiös ist an Gott glaubt.
Wer selbst fromm und redlich sein möchte muss auch gleichzeitig ehrlich sein, sich selbst und anderen gegenüber. Dazu muss man diese verstehen und versuchen gerecht zu sein.
Auch bei dieser Tugend handelt es also um eine konsequente Fortführung der beiden anderen Tugenden Verständigkeit und Gerechtigkeit.
Bleibt noch: Tapfer: Es geht hier nicht darum in den Krieg zu ziehen. Es geht nicht darum Spinnen oder Schlangen zu fangen oder Skydiving in einem Wingsuit zu versuchen. Ob dies wirklich tapfer oder eher unvernünftig und leichtsinnig ist, darf jeder gerne für sich entscheiden.
Wenn im Jahr 2022 ein Richter eine Entscheidung fällt, die gegen die Wünsche des Staates gerichtet ist, weil er dem Angeklagten zugehört hat (Verständig) und dann zu dem Schluss gekommen ist, dass die Faktenlage nicht der gewünschten Meinung der Regierung entspricht (Gerecht) und an seine Ideale glaubt (Fromm), dass er Richter geworden ist, um den Menschen Gerechtigkeit zu bringen und um die Grundrechte der Menschen zu schützen.