Kapitel 099

BRAUCHEN WIR NOTEN UND ZEUGNISSE?

Dr. Bodo SchiffmannGeschrieben Juli–September 2022Originalseiten 484–490
LesenBuch kaufen ↗
Seite 484

Geht man nach meinem Abiturs-Schnitt (3,1), hätte ich niemals die Gelegenheit bekommen Medizin zu studieren. Zu meinem Glück gab es in der Oberstufe die Möglichkeit am Medizinertest teilzunehmen und da man dort einen Tag Schulfrei im Tausch erhielt, dachte ich mir: Da machst Du einfach mal mit – „just-for-fun“. Ein paar aus unserem Schuljahrgang haben zuvor Kurse besucht und Trainingsseminare absolviert, weil man durch einen guten Medizinertest den Zugang zum Studium faktisch in der Tasche hatte, unabhängig vom Abiturs-Schnitt.

Ich hatte zwar nicht vor, Medizin zu studieren, aber „dabei sein ist alles“ und ich musste einen Tag lang nicht in die Penne. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nicht vor Medizin zu studieren, eher gar nicht oder Jura oder Hotelfachmann oder, oder, oder…. Wie an anderer Stelle erwähnt, landete ich als Zivildienstleistender beim DRK – Worms und bin dort mit Begeisterung Rettungsdienst gefahren. Nach dem Zivildienst wäre ich auch gerne dortgeblieben, aber ich habe mich über viele gefährlich inkompetente Ärzte geärgert, die ich, mit meiner Schmalspur 6 Wochen Ausbildung, locker in die Tasche stecken konnte – Rettungsdienstlich. Als approbierter Arzt und laut mehreren Auszeichnungen führender Mediziner, kann ich das gerne aufrechterhalten und sagen: Viele Sanitäter haben im Notfall mehr drauf, als die Akademiker.

In einer Notsituation lasse ich mich lieber von einem erfahrenen Rettungssanitäter als von einem Hausarzt behandeln! Fakt!

Also entschloss ich mich Medizin zu studieren. Wie es der Zufall wollte, war mein Medizinertest offensichtlich nicht der schlechteste, denn ich

Seite 485

hatte sofort einen Studienplatz, an meiner Wunschuniversität, trotz schlechtem Abitur.

Heutzutage hätte ich wohl keine Chance mehr, denn Studienplätze bekommen faktisch nur die Schüler, die alles so reproduzieren, wie es der Lehrer vorgekaut hat und die in ihrem Verhalten nicht dafür gesorgt haben, dass die mündliche Note einen Grund zur Reduzierung des 1.0 Schnittes bekommen hätte. Man nennt das Numerus Clausus – also geschlossene Zahl und besagt, dass wenn sich mehr Interessierte zum Studium anmelden, als Studienplätze vorhanden sind, Zugangskriterien wie z.B. ein Notendurchschnitt, die Bewerber reduzieren soll.

Man geht also davon aus, dass jemand mit einem Abitur von 3,1 (wie meine Wenigkeit) zu dumm für ein Medizinstudium sind.

Witzig, wenn man überlegt, dass es für eine der erfolgreichsten HNO-Praxen in Deutschland gereicht hat.

Seite 486
Abbildung aus dem Buch, Originalseite 486
Originalseite 486 · Zum Vergrößern auf das Bild klicken

Quelle: https://medizinstudium.io/nc-medizin/

Nun es hat immerhin dafür gereicht eine der erfolgreichsten Arztpraxen in Deutschland zu etablieren, mit einem internationalen Ruf. Unsere Patienten kamen aus der ganzen Welt, da ich sie anders behandelt habe als meine schulmedizinisch tätigen Mitbewerber. Auch bei der Auswahl meines Personals habe ich Menschen eingestellt und keine Noten. Meine langjährige Hauptkraft galt als Unbelehrbar und hatte eine abgebrochene Schulbildung und abgebrochene Lehren.

Seite 487

Zusammen mit einer anderen Bewerberin haben wir sie im Rahmen eines sozialen Projektes eingestellt und beide wurden zu absoluten Spitzenkräften. Meine rechte Hand, konnte am Ende Befunde genauso gut interpretieren wie ich und auch die richtige Therapie vorschlagen. Sie hat mich mitunter sogar korrigiert und hatte Recht. Sie war ein Schulversager – aber eine absolut zuverlässige und treue Spitzenmitarbeiterin.

Ein Mitarbeiter war zuvor EDV – Administrator gewesen und hat musste dann, um seine Familie über Wasser zu halten als Putzmann unsere Praxisräume reinigen, am Ende war er mein Geschäftsführer. Wieder eine andere Mitarbeiterin hat zuvor als Köchin gearbeitet und wurde die schnellste Vertigo-Therapeutin in meiner Schwindelambulanz, Sie konnte die Untersuchungen in einem unglaublichen Tempo und mit extrem hoher Qualität durchführen. Auch das Gegenteil habe ich erlebt: Super Noten und dafür eine galoppierende Inkompetenz in einer Person. Ich habe und werde nie Wert auf Noten legen, auch nicht bei meinen Kindern, denn sie sagen weder etwas über die Sozialkompetenz, noch Freundlichkeit, Intelligenz oder praktische Fähigkeiten aus. Sie sind Zahlen auf einem Blatt Papier, welches in Schulen und im Beruf dazu genutzt werden einen Druck aufzubauen, damit man so reagiert, wie es das System von einem erwartet.

Kennt Ihr die Drohungen:“ Wenn Du keine guten Noten hast, wirst Du später mal keinen guten Beruf kriegen“, „Ohne gute Noten kannst Du nicht studieren“, Wenn Deine Noten schlecht sind, stellt Dich niemand ein“

Albert Einstein verließ das Luitpold – Gymnasium 1894 ohne Abschluß, da er sich mit Lehrern angelegt hat. Sein Klassenlehrer habe ihm bescheinigt: „es werde nie in seinem Leben etwas Rechtes aus ihm

Seite 488

werden“. Später hat er in einem zweiten Anlauf. Er versagte außer in Mathematik und Physik auch in einer Bewerbungsprüfung an der Eidgenössischen Polytechnischen Schule in Zürich. Erst nachdem er noch mal de Schulbank gedrückt hat erreichte er in der Matura (Schweizer Abitur) die Note 5 – was der deutschen Note zwei entsprach – Medizin hätte er damit auch nicht studieren können. Ein Schulabbrecher, der mit der Autorität der Lehrer nicht klarkommt, ist ein Nobelpreisträger und gilt als Genie??

Wozu also Noten? In der Schule ist es ein Druckmittel und sorgt dafür, dass die Schüler kuschen. Im Beruf eine Einschränkung für Menschen, die einen eigenen Kopf haben und in der Universität ein Ausschlusskriterium, denn Menschen, die nicht kritiklos reproduzieren, sind nicht gerne gesehen in akademischen Kreisen. Wo kämen wir hin, wenn der Assistenzarzt dem Oberarzt oder Chefarzt widersprechen würde? Wenn er gar andere Behandlungsansätze vorschlagen könnte.

In der Schule meiner Tochter bekommt jeder Schüler in jedem Fach neben einer Schulnote eine persönliche Beurteilung, die immer motivierend und positiv ist. Der Lehrer freut sich drauf: das und das im nächsten Halbjahr gemeinsam zu verstärken. Selbst bei einer schlechteren Note erhalten Schüler eine positive Rückmeldung über das, was sie verbessert haben und worin sie richtig gut sind. Die Noten könnte man sich auch sparen und das Zeugnis wurde für den Schüler geschrieben und spricht ihn an, nicht für die Eltern.

Ein Feedback über stärken und Schwächen, Verbesserungsmöglichkeiten und Probleme halte ich in einer Ausbildung für zielführend. Es gibt Lehrer und Schüler die Möglichkeit zu reflektieren und analysieren. Es geht nicht um Demütigung und Machtausübung, sondern um ein Miteinander. Ich habe selbst keine guten Erfahrungen mit der Schule und dem Studium gemacht. Das legt

Seite 489

daran, dass ich immer meine Meinung sage und diese manchmal sehr unterschiedlich zu Autoritäten ausfallen kann. Aber wer meine Äußerungen in der Zeit ab 2020 verfolgt hat, hat dies möglicherweise auch schon selbst bemerkt. Ich glaube daran, dass es gut ist, seiner eigenen Meinung mehr zu vertrauen als einer Autorität. Diese Einstellung habe ich versucht meinen Kindern zu vermitteln und hoffe es ist mir gelungen. Auch im Hotel in Tansania gehe ich den gleichen Weg. Wenn sich ein Koch vorstellt oder ein Kellner, dann zeigt er mir seine Zeugnisse und ich schaue sie mir nicht wirklich an. Einen Koch schicke ich in die Küche und lasse ihn etwas kochen. Ich schaue ihm dabei auf die Finger und achte auf Dinge die mir wichtig sind (Händewaschen vor der Zubereitung von Speisen z.B.) – Wie benutzt er ein Messer, wie schnell schneidet er z.B. Zwiebeln etc. Ein Kellner sollte seine Fähigkeiten im Service unter Beweis stellen. Zwei meiner drei Kellner habe ich selbst im Service erlebt und sie dann engagiert, bevor sie bei mir im Hotel gearbeitet haben. (Wen das jetzt irritiert, nachdem man meine Praxisräume am GRN Krankenhaus in Sinsheim gekündigt hat, weil ich für eine realistische Einschätzung der Plandemie gekämpft habe – habe ich in Tanzania für meine Aufenthaltserlaubnis ein Hotel gemietet und eröffnet. War ein alter Traum von mir, da ich gerne koche und mal Hotelfach machen wollte= Also für eine bessere Zukunft: Beurteilungen, die positiv ausgerichtet sind, sind ein gtes Kriterium während der Ausbildung, nach der Ausbildung gehen diese den Arbeitgeber nichts an denn der Mensch von damals ist gewachsen und hat sich seit der Prüfung verändert. Menschen sollten die Gelegenheit bekommen als Menschen und nicht als Noten wahrgenommen zu werden.

Zum Kapitelanfang ↑