PORNOGRAPHIE
Die Grundfrage muss lauten, brauchen wir Pornographie oder nicht? Warum stelle ich so eine Frage: Ich lebe aktuell in einem Land in dem die Pornographie verboten ist. Es ist eine Straftat Pornographische Bilder auf dem Rechner zu haben. Ich spreche jetzt nicht von Aktfotographie oder Skulpturen, denn die gab es zu allen Zeiten in allen Kulturen. Ich rede von echter Pornographie also Bilder oder Filme, die Menschen beim Geschlechtsverkehr zeigen oder bei anderen sexuellen Praktiken. Es ist in Tansania noch nicht einmal erlaubt in der Öffentlichkeit sich zu küssen oder zu schmusen. Mancher wird hier laut aufrufen und sagen: „Der Schiffmann ist jetzt auch noch prüde geworden…“ Nein, mich erinnert nur die Zeit ohne sexuelle Reizüberflutung an meine eigene Kindheit und an meine Pubertät. Pornographische Bilder und Zeitschriften unterlagen dem Jugendschutz. Man hat die Jugend vor Pornographie geschützt um Ihnen nicht einen falschen Eindruck von Liebe oder Zärtlichkeit zu vermitteln. Ich habe dieses Thema heute nachgefügt, weil ich mich mit einem Freund über Themen unterhalten habe, die aktuell aus unserer Sicht sich in eine falsche Richtung entwickeln. Wenn Pornographie so wichtig ist: warum protestieren die Menschen in Afrika, Asien und den muslimischen Staaten nicht dafür, diese einzuführen. Vermissen Sie den freien Zugang zu Pornographie, ist diese ein Grundbedürfnis oder wurde hier ein lukrativer Markt erschlossen? Ich bezweifle nicht, dass Pornographische Filme erregend sein können und auch schön sein können, die Frage ist nur: würde ich sie tatsächlich vermissen, wenn ich sie nicht bekommen würde. Als ich Kind und Jugendlicher war, war es sehr schwer an Pornographische Bilder zu kommen, Nacktheit im Fernsehen begann
erst als es das Privatfernsehen, RTL und „Tutti Frutti“ gab, bei denen bunt gekleidete Damen als „Früchte“ Ihre Brüste entblößten. Ziemlich sinnlose Sendung aber ein Quotenschlager. Unterwäschewerbung in Versandhandel-Kollektionen (Neckermann, Baader etc.) waren eher das pornographische Maximum, was man im ansonsten noch hochgeschlossenen Deutschland zu sehen bekam. Das Sexualität dennoch stattgefunden haben muss, scheint belegt zu sein, zumindest würde es mir sonst schwer fallen dieses Buch zu tippen. Meine liebe Frau und ich haben uns mehrfach darüber lustig gemacht, dass wir uns beide bis heute nicht vorstellen können, dass unsere Eltern so etwas wie eine lustvolle Beziehung gepflegt hätten. Die Anzahl der Kinder spricht hier allerdings eine andere Sprache. Pornographie hatte den besonderen Reiz, dass Sie selten zu finden war und immer den Hauch von Illegalität mit sich brachte. Kinder und Jugendliche heute haben einen einfachen Zugang zu jeder Art von Pornographie gefunden. Man braucht noch nicht einmal mehr die entsprechenden Internetseiten zu kennen. Einfach einen einschlägigen Begriff in eine Suchmaschine eingeben, Filter ausschalten und die Ergebnisse kommen zu Hunderten auf den Bildschirm oder direkt in die Bildersuche. Keine Altersprüfung, keine Gebühren, jederzeit verfügbar, downloadbar und verteilbar. Ist das Fortschritt? Als ich das erste Mal mit einem Mädchen Zärtlichkeiten ausgetauscht habe, war ich wahrscheinlich ziemlich ungeschickt, ich wußte nicht wie es geht. Aber ich habe es genauso herausgefunden wie alle Generationen vor mir. Die Kinder und Jugendlichen von heute, kennen wahrscheinlich mehr Techniken, Stellungen und Varianten von Sexualität als ich und sie wissen beim ersten mal natürlich genau wie es zu gehen hat und wann sie welche Töne von sich geben müssen. Ist das Fortschritt? Brauchen die Kinder das?
Für mich war es eine aufregende Reise vom Kind, zum Jugendlichen und
dann zum Erwachsenen, ich finde es rückblickend gut, dass ich keine Betriebsanleitung vor dem ersten Mal lesen mußte. Das, was ich aus dem Aufklärngsunterricht in der Schule und aus Reaktionen meines Körpers gemerkt habe, war völlig ausreichend und es gab dann auch noch Steigerungsmöglichkeiten, bis heute (54 Jahre) ist es immer noch eine Entdeckungsreise, sogar nach einem kompletten Medizinstudium.
Ist das für den 18-Jährigen von Heute auch noch so? (Nebenbei: mein echtes „Erstes Mal“ war mit 18 Jahren! Wo liegt der Schnitt heute?
Aber noch einmal die Frage: Brauchen wir einen Markt für Pornographie oder ist der prüdere Ansatz vielleicht der bessere? Pornographie ist kein Grundbedürfnis, denn die meisten Menschen auf der Welt konsumieren dieses Produkt nicht. Es ist ein künstlich erzeugtes Geschäftsfeld.
Es ist ja keineswegs so, dass jedes Video, welches im Internet zu finden ist, aus freien Stücken und mit Begeisterung von den Akteuren gedreht wurde. Insbesondere Gewaltfantasien, Orgien oder Kindesmissbrauch (eigenes Kapitel) sind in der Regel nicht von begeisterten Hobbyfilmern im eigenen Schlafzimmer erzeugt und dann an die Verwandschaft verteilt worden, wie Urlaubsvideos, sondern, wenn solche Aufnahmen getätigt wurden, dann doch eher für den eigenen „Hausgebrauch“. Würde irgendjemand, der nicht bereits süchtig nach sexueller Dauererregung ist, dieses Medium ernsthaft vermissen. Würdest Du jeden Tag durch die Gegend laufen und denken: Ich brauche jetzt unbedingt einen Pornofilm? Oder ist das nicht auch ein Teil der erlernten Unfähigkeit mit Langeweile umzugehen. Sind unsere Ideen und Visualisierungsmöglichkeiten so klein geworden, dass wir uns nichts erregendes mehr vorstellen können, wenn wir uns nach diesem Gefühl sehnen. Ist es nicht wie bei einer Droge, die beim ersten Mal ganz nett ist und spannend, weil es ja verboten ist und dann der Bedarf
entsteht immer mehr und mehr davon zu konsumieren, um die immer häufiger auftretende Langeweile zu beherrschen? Oder ist es die Sucht nach den körperlichen Sensationen, die ein Orgasmus hervorruft? Sexsucht und Pornographie sind tatsächlich Suchterkrankungen, weil das Ziel, die Erregung, die Lust, die Hormone immer schwerer und nur durch etwas neues, härters stimuliert werden können. Es gibt keinen echten Unterschied zu Drogen. Die Dosis muß immer weiter steigen, um den gleichen oder einen besseren Kick zu bekommen. Deshalb entstehen irgendwann Übergriffe über die menschliche Ethik und es kommt zu Gewaltvideos und auch zu Kindesmissbrauch (folgendes Kapitel)
Noch etwas wird zum Problem: Meiner Generation fehlten die Vergleichsmöglichkeiten, wie unsere primären und sekundären Geschlechtsmerkmale auszusehen hatten. Jeder hatte das, was er hatte.
Auch hier ist eine neue unethische Medizinindustrie entstanden, die Penisse und Brüste verkleinert oder vergrößert, Schamlippenkorrekturen vornimmt und andere Absurditäten. Die Menschen werden dazu erzogen, mit dem von Gott geschenkten Körper immer unzufrieden zu sein und das intimste an aktuelle Geschmacksmuster operativ anzupassen. Zusätzlich werden die intimsten Stellen mit Piercings durchbohrt und modifiziert, um mehr Lust zu bekommen.
Arme Welt – verstehe gar nicht wie die Tiere immer noch Sex haben können ohne kosmetischen Chirurgen, Pornografie und Piercingstudio.