Kapitel 057

EU UND ANDERE BÜNDNISSE, ZÖLLE UND FREIHANDEL UND FREMDWÄHRUNGEN

Dr. Bodo SchiffmannGeschrieben Juli–September 2022Originalseiten 273–278
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Als Kind waren wir häufig im benachbarten Ausland zu Besuch, ob es jetzt Luxemburg war oder Frankreich, Österreich oder die Schweiz. Es war immer ein kleines Abenteuer eine Grenze zu überqueren und kontrolliert zu werden, um dann auf der anderen Seite eines Flusses, eine andere Sprache, eine andere Währung und andere Produkte entdecken zu können, die man dann zum Teil über eine grüne Grenze zurück geschmuggelt hat. (Als Kind die Zigaretten und Kaffee für die Oma, aus Luxemburg, nach Deutschland)

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Wir Kinder selbst sind ohne Fahrrad mit unseren Eltern im Auto nach Luxemburg gefahren und mit dem dort neu gekauften Fahrrad über eine Fußgängerbrücke zurückm um die Fahrräder dann 20 km entfernt wieder aufs Auto zu laden und ggf. In Deutschland selbst zu fahren oder aber mit Gewinn zu verkaufen. So etwas „böses“ haben wir als Minderjährige, nicht strafmündige wiederholt gemacht. Es war spannend und jeder Urlaub war ein Erlebnis mit anderen Speisen, Produkten, Geldscheinen und Münzen. Die Münzen konnte man nicht zurücktauschen, die Geldscheine schon und die meisten Banken haben diese vor dem Urlaub zum Umtausch angeboten. Es gab die sogenannten Euroschecks, die man einfach in Landeswährung verwandeln konnte, wenn man die Währung in ein dafür vorgesehenes Feld geschrieben hat und diese waren immer bis zu 400,-DM gedeckt, selbst wenn das Konto leer war.

Für mich war das normal, es war Teil des Urlaubsgefühls und manches mal vermisse ich die vielen verschiedenen Währungen. Ich habe mir dennoch die Fragen gestellt, wozu wir Grenzen brauchen, wenn man doch einfach über eine Fußgängerbrücke oder durch einen Wald laufen konnte, um dann ohne Grenze zwischen den Ländern zu wechseln. Waren echte Verbrecher so dämlich, sich in die Autoschlange an einer Grenze einzureihen? Warum musste man Zoll bezahlen? Wo ist der Sinn, dass Kaffee zweimal bezahlt wird. Man kauft ihn billig in Luxemburg und muss dann Zoll für einen Kaffee bezahlen, der in Deutschland produziert und abgepackt wurde, aber in Deutschland nicht so billig verkauft werden durfte, wie in Luxemburg?

Wieso waren die Preise für das gleiche Benzin, vom selben Hersteller in Deutschland anders als in Frankreich, der Schweiz, Österreich oder wo auch immer? Daran hat sich auch nach der Öffnung der Grenzen wenig

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geändert. Zwar musste ich nicht mehr darüber nachdenken, wieviel Kaffee ich transportieren darf, aber die Spritpreisunterschiede blieben doch gigantisch. Der Grund? Die Besteuerung, diese lagen eigentlich immer erheblich niedriger als in Deutschland. Wozu brauchen wir also Grenzen?

Die meisten Menschen sind sesshaft und fühlen sich in der eigenen Kultur am wohlsten. Egal, ob es sich um einen Rheinländer, einen Schwaben, einen Sachsen oder einen Kenianer oder Äthiopier handelt. Man muss sich die Frage stellen, warum ein Sachse nach Bayern zieht?

In der Regel nur deshalb, weil er zu Hause keine Anstellung gefunden hat oder nicht richtig bezahlt wird oder sich in eine bayrische Frau verliebt hat. Die Regionen haben unterschiedliche Dialekte, man kann fast Sprachen sagen, Gebräuche und Lebenseinstellungen und ein Bremer ist häufig in Südhessen genauso wenig zu Hause, wie ein Norddeutscher in Köln. Die Ausnahmen bestätigen hier die Regeln, aber Menschen brauchen keine Grenzen, da sie in sich selbst ein Heimatgefühl tragen und diese Heimat nur aus zwingenden Gründen hinter sich lassen. Aber die Dörfer wurden verlassen, weil es immer weniger Angebote gab, sich dort zu Hause zu fühlen. Gasthöfe und Geschäfte haben geschlossen, alle attraktiven Geschäfte, waren nur noch in der Großstadt zu finden. Was also ist die Ursache für eine Großstadt? Es ist die Großindustrie, die Supermärkte und Einkaufsmeilen und vor allem die Jobangebote. Je mehr Firmen sich in einem Hochhaus niedergelassen haben, desto mehr Arbeitnehmer haben ihre Heimat hinter sich gelassen und sind in die Ferne gezogen. Wer wirklich glaubt, ein Mensch aus Uganda würde davon träumen nach Frankfurt zu ziehen, war offensichtlich noch nicht in Afrika.

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Was wäre denn, wenn die Menschen in Afrika genauso attraktive Arbeitsbedingungen hätten wie in Frankfurt? Die Menschen würden in Ihrer Heimat bleiben. Genau wie der Sachse nicht nach Bayer ziehen würde. Woran liegt es, dass in Afrika die Arbeit nicht gut bezahlt wird? Es liegt daran, dass Großindustrielle Betriebe und die Regierungen, die Waren aus Afrika nicht vernünftig bezahlen, sondern diese Länder als Niedriglohnländer ausbeuten, um möglichst billige Produkte zu maximal überhöhten Preisen anbieten zu können. Das es auch in Deutschland anders geht, zeigen Unternehmen wie Trigema (Familie Grupp), die vollständig auf Niedriglohnländer verzichten.

Stellen wir uns doch einmal vor, wir würden die Dörfer wiederbeleben. Banken, Versicherungen und andere würden geschlossen und die Hochhäuser gegen Parkgelände ausgetauscht, die der Erholung dienen. Einfach nur als Idee. Wäre das ein Rückschritt oder ein Fortschritt? Die Menschen würden wieder dort arbeiten und leben, wo ihr Herz Ihnen sagt, dass sie sich heimisch fühlen. Wenn es keine Zölle gäbe, wären die Preise vergleichbar. Es gäbe wieder mehr regionale Produkte, die einen Besuch oder Urlaub in einer anderen Region attraktiv machen würden.

Als Kind war Grünkohl mit Pinkel in Hessen genauso unbekannt, wie Handkäs mit Musik in Ostfriesland. Es hat Spaß gemacht in einer anderen Region von Deutschland die anderen Geschmäcker und Gerichte zu erkunden. Heute ist alles Einheitsbrei. 90% der Lebensmittel werden von der Firmengruppe Nestle bereitgestellt. Warum kann ein Unternehmen 90% der Lebensmittel anbieten?

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40% der Lebensmittel landen im Müll, schon bevor sie im Supermarkt landen. (https://www.stern.de/wirtschaft/lebensmittel--millionen-tonnen-verschwendet---bevor-sie-im-supermarkt-kommen- 31610520.html)

Die Supermärkte bieten Lebensmittel an und werfen sie weg, dazu bekommt man fast überall die gleichen Produkte. Neutral und aus den Augen eines Kindes betrachtet, kann ein Produkt nicht unterschiedlich teuer sein, nur weil ein kleiner Fluss zwei Städte trennt. Durch den zweiten Weltkrieg gibt es sogar Orte, die zum Teil in Frankreich und zum Teil in Deutschland liegen. Alle sprechen die gleiche Sprache aber haben unterschiedliche Gesetze, Gebühren usw. Oder Zollgebühren (Schweiz). Geht das eigentlich nur mir so, dass ich das lächerlich finde?

Wer bekommt das Geld aus dem Grenzverkehr, die Zollgebühren?

Wer trägt die Kosten der immensen Einfuhrzölle zum Beispiel in Tansania?

Nur der Bürger, der Staat füllt damit seine (Steuer) Taschen erneut. Womit wir wieder im Kapitel Steuern wären, nur dieses Mal, wäre ich dafür sie komplett zu streichen. Wenn wir uns wieder auf lokalen Handel spezialisieren und anfangen die Zentralisierung zu stoppen, sind Importe keine Problem mehr. Wozu Strafzölle, Einfuhr- und Ausfuhrzölle? Weder für den Handel, noch für die Menschen.

Also, weg damit!

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