HANDYS UND COMPUTERSPIELE
Der Bestsellerautor Harari sagte in einem Interview: „Was sollen wir mit all den überflüssigen Essern machen, die keinen Beitrag zu seiner Vision einer schönen neuen Welt liefern können, weil sie seiner Ansicht nach überflüssig geworden sind.“ Er schlug daher vor, diese aus seiner Sicht „verzichtbaren Menschen“ mit Computerspielen und Drogen zu beschäftigen, damit sie nicht den produktiven Teil der Menschheit blockieren. Drogen und Computerspiele. Was zählt dazu? Alkohol, Zigaretten, Synthetische Drogen oder Nahrungsmittelzusätze im Fastfood oder in der Nahrung allgemein. Gehört das dann zum Grundeinkommen-Sorglos-Paket oder wie muss man das interpretieren? Ich selbst bin ein Computerkind der ersten Stunde und habe den Aufstieg des Personalcomputers und der Mac-Rechner selbst miterlebt und natürlich auch die ersten Spiele nicht nur gespielt, sondern zum Teil auch programmiert. Es ging um Spaß, um das ausloten, was mit der neuen Technik möglich ist. Es ging um Reaktion und Nachdenken. In meiner aktiven Zeit habe ich 7 verschiedene Programmiersprachen gelernt und immer wieder Programme geschrieben, die mir das Leben erleichtert haben. Später eine der ersten Computerfirmen gegründet und für unsere und andere Kliniken Datenbanken programmiert und eine automatisierte Arztbriefschreibung implementiert. Ich habe eine Terminverwaltung für die wachsende Krankenhausabteilung entwickelt, die noch Jahre nach meinem Ausscheiden dort zuverlässig Ihren Dienst getan hat. Spiele hat man gekauft oder getauscht und die haben einem dann gehört. Es hat viel Spaß gemacht sie durchzuspielen und irgendwann waren alle Missionen erfüllt, alle Level durchlaufen und man hat sich wieder anderem zugewendet.
Irgendwann haben sich die Spiele geändert und auch ihren Weg auf mobile Geräte gefunden. Es war nicht mehr möglich, ein Spiel zu besitzen, die Spiele wurde ständig erweitert und man musste Gegenstände zusätzlich erwerben, wenn man in diesem Spiel erfolgreich sein wollte. Wie ein Tamagotchi, erinnern einen die Spiele ständig mit Mitteilungen daran, was man jetzt gerade an einmaligen Chancen verpasst, wenn man nicht sofort wieder Online geht. Man kann sein Alter Ego im Spiel selbst ankleiden und das andere Ich im Computerspiel so personalisieren, dass man völlig mit seiner eigenen Traumvorstellung von sich selbst, im digitalen Kosmos verschwinden kann. Es wird nie langweilig, weil immer Spielpartner aus der ganzen Welt jede Sekunde Langeweile erfolgreich vernichten können. Ständig hast man Angst, dass man ein legendäres Schwert nicht erhält und dass die virtuellen Besitztümer anderen zum Opfer fallen, wenn man nicht omnipräsent ist. Die Menschen identifizieren sich mit ihren Avataren so stark, dass die Angst, die im Spiel erzeugt wird auf sie übergeht. Die ständige Bedrohung, dass jemand anders einen im Highscore Überholen könnte oder dass ein geliebtes Kleinod an einem vorbeigeht oder das man bestraft wird, wenn man ein Spiel vorschnell verlässt, nur weil man zum Essen gerufen wird oder weil man zu Bett gegeben muss, weil die Schule morgens sehr früh startet. Gut, dass man schon als Jugendlicher an jeder Ecke Red-Bull und andere Energizer kaufen kann, die einen wieder fit für die nächste Runde machen und die Müdigkeit vertreiben. Auch hier interessante und kluge Namenswahl für das Produkt, welches vorgibt Energie zu geben, damit man leistungsfähiger wird. Schnell noch ein Burger reingeschoben, der so weich ist, dass man noch nicht einmal kauen muss und damit ohne Probleme weiter im Chat aktiv sein kann, während das Kapitel niemals endet und wenn doch, dann mit einem Cliffhanger und wenn wirklich mal ein Spiel langweilig ist, dann gibt es mittlerweile den Gamepass und es stehen hunderte neue Spiele als Flatrate zur Verfügung.
Während des Lockdowns 2020 wurde dann mit Werbespots genau dieses Verhalten auch noch als Heldentat hochgejubelt. Also wer, Fastfood essend die Nächte durchgezockt hat, hat die Welt vor einer tödlichen Pandemie bewahrt. Ganz mein Humor. Heute habe ich meinen Sohn zum Essen gerufen. Er sagt er könne nicht aufhören in diesem Onlinelevel, denn wenn er die Runde verliert, würde er für 300 Stunden gebannt. Soziale Strafe und Liebesentzug als Druckmittel und Angst davor nicht mehr mithalten zu können, in einem Spiel, welches eigentlich nur den Zweck eines leichten Zeitvertreibes erfüllen soll. Ich bin hilflos und es macht mich traurig. Soll ich jetzt das Internet abschalten, damit keine Onlinespielen mehr möglich sind? Damit nehme ich aber meinem Sohn die verbliebenen sozialen Kontakte nach Deutschland, da wir ja wegen meiner medizinischen Meinung zur Corona-Pandemie nach Afrika auswandern mussten. Ich bin die erste Generation der Computerspiele, so hätte es nie kommen dürfen. Es ist tödlich. Ich liebe Computerspiele und habe so manche Nacht durchgezockt, aber es gab immer ein Morgen. Die Kämpfe waren nie endlos und wenn das Spiel gespielt war, nahm man kein altes Spiel mehr aus dem Regal, denn das war langweiliger als die Langeweile und das nächste großartige Spiel kam vielleicht erst in einem halben Jahr auf den Markt. Man kehrte automatisch wieder in die Realität zurück, mit einem guten Gefühl, ein Spiel beendet zu haben. Dann ging es für eine begrenzte Zeit wieder auf Abenteuerreise. Aber meine Generation hatte danach immer wieder Pausen ohne eine permanente Erinnerung, Addons, und andere Suchtfaktoren. Wir hatten keine Angst, unser digitales Vermögen über Nacht zu verlieren oder eine Spiele Flatrate nicht auszukosten. Das konnte sich keiner leisten. Ab und an hat man eine Raubkopie gespielt und dann frustriert aufgegeben, weil durch einen Kopierschutz oder Bug nach einer Einspielphase die Beute ihren Funktion verweigert hat.
Ich fühle mich als Vater eines 16 Jährigen manchmal richtig hilflos, denn eigentlich sollte man ihm die Benutzung der Konsole verbieten, aber wie soll dann ein 16 jähriger Verantwortung lernen. Ich kann die Faszination ja nachvollziehen, ich ärgere mich nur, warum hier kein Jugendschutz greift und die Spiele immer mehr dazu benutzt werden, um Abhängigkeiten zu erzeugen. Die Methoden sind die gleichen, wie in der realen Welt der Drogen: Man gibt dem zukünftigen Opfer einen Gratiszugang, ein frei spielbares Level (Fortnite), aber wenn Du mit Deinen Freunden weiter spielen willst, dann willst Du auch mithalten, du benötigst bessere Waffen und ein cooleres Outfit. Du musst intensiv üben um mit anderen mithalten zu können und weißt genau, dass wenn Du nicht am Ball bleibst andere dich überholen wollen. Dann gibt es einmalige Angebote, nur heute und niemals wieder und du willst mithalten können. Du hast Erfolg, du steigst auf, aber nur wenn Du dabeibleibst. In Wirklichkeit spielst Du zum großen Teil gegen Bots, die Dich genau oft genug gewinnen lassen, dass Du die Lust nicht verlierst. Wie ein Geldspielautomat. Es macht mich so traurig. Es ist so einfach, sich selbst und seine Pubertät und Veränderung nicht ertragen zu müssen. Nicht über das Nachdenken zu müssen, was sich gerade in der Welt verändert, denn Du bist in Deiner eigenen Welt, die sich an Dich und Dein Spielverhalten so anpasst, dass Du den Spaß nicht verlierst. Du bekommst immer die Gegner zugewiesen, die du gerade noch besiegen kannst. Die Zeit vergeht. Die Alten nerven (haben sie schon immer) aber du musst dich Ihnen nicht aussetzen, du musst nicht aktiv werden. Du tauchst einfach in eine Traumwelt ohne Lesen oder aktiv zu werden. Fährst tolle Autos und darfst gegen das Gesetz verstoßen (GTA) kannst in andere Zeiten reisen und mittelalterliche Städte erkunden (Assassins Creed). Du reitest in den Sonnenuntergang (Red dead redemption). Kannst ein Auftragskiller (Hitman) sein und erlebst deine eigenen Actionfilme (Uncharted).
Wozu brauchst Du da noch eine normale Welt. In der Zwischenzeit musst du witzige Videos auf TikTok liken, die dich in Sekunden ablenken und zum Lachen bringen oder deine Messenger checken, damit Du nicht etwas wichtiges verpasst.
Versteht mich nicht falsch. Ich liebe Computer. Es ist großartig, dass ich z.B. Gitarre mit Videos und Apps genauso lernen kann wie Piano. Nahezu jedes Gerät mit iFixit vollständig zerlegen oder manchmal auch reparieren kann. Das ich in Sekunden etwas im Internet recherchieren kann. Aber wo bleibt die reale Welt im binären, digitalen Zeitalter. Wo bleibt die Gelegenheit auf die Nase zu fallen und wieder aufzustehen. Wo die echte soziale Interaktion? Wie finden wir wieder Zugang zu unseren Kindern? Wie bringen wir sie zurück in die analoge Welt, denn ich glaube nicht, dass der digitale Exodus nach dem Vorbild von Harari die Zukunft für unsere Kinder sein soll. Das Konzept Computerspiele und Drogen geht heute schon perfekt auf und der Staat kann bei der Gelegenheit auch gleich noch die Botschaft einstreuen, die er gerne verbreiten möchte, indem er „witzige“ Spiele wie die Jagd auf Ungeimpfte verteilt. Das war der Gipfel der Gehirnwäsche 2021. Immer wenn mein Sohn mal eine Zeitlang keinen Zugang zu elektronischen Geräten hat, erkenne ich ihn kaum wieder. Er selbst bemerkt es auch und ist dann auch glücklicher, leider ist es nahezu unmöglich das Aufrecht zu erhalten, denn das Ziel kann ja nicht sein, einen Jugendlichen so zu behandeln, als wäre er ein Kleinkind. Ich kann nur versuchen ihn immer wieder auf die Mechanismen und Folgen aufmerksam zu machen. Es ist doch hier so ähnlich wie mit starken Drogen oder Alkohol. Soll oder muss man den Alkohol verstecken und wegschließen oder sollte man nicht versuchen einen gesunden Umgang damit vorzuleben.
In Bezug auf Computerspiele habe ich völlig aufgehört zu spielen, seit Jahren. Aber dieses Vorbild zieht leider nicht. Wir müssen einen Weg finden, dass der Suchtfaktor aus den Spielen wieder verschwindet, ohne das Medium selbst zu verbieten. Es sollte selbstlimitierend werden. So wie bei Lenkzeiten in einem LKW. Regeln, die auch von den Kindern und Jugendlichen gut gefunden werden. Man muss anfangen die Sucht für die Kinder sichtbar zu machen, damit Sie nicht bestimmt, sondern sensibilisiert werden.
Lieber Leser, Du merkst es sicher. Ich bin weit entfernt von einer Lösung und das bin ich nicht nur in diesem Kapitel. Es geht mehr darum, etwas in Worte zu fassen, was mich beschäftigt und wo ich mir eine Lösung wünschen würde, die Spaß, Verantwortung und Gesundheit Rechnung trägt. Ich würde mir wünschen, dass es gelingt, dass die Betroffenen erkennen, dass Sie hier von Menschen wie Harari eingesperrt werden, weil er sie für überflüssige Esser hält. Vielleicht ist das der Schlüssel, denn wer möchte schon gerne überflüssig sein und nur als „Esser“ disqualifiziert werden.
Ich sitze gerade im Café des African Heritage Museums in Arusha. Ein wahnsinnig beeindruckendes Museum.
Neben mir haben vier Damen Platz genommen, die gerade voll mit Eindrücken aus diesem Museum gekommen sind und zusammen einen Café trinken.
Sie unterhalten sich nicht!
Jede schaut auf Ihr Handy….
Schöne neue Welt…