WER DARF WIE VIEL VERDIENEN, WIE VIEL IST ANGEMESSEN
Ich glaube einer der größten Fehler aller Zeiten war, dass Menschen einen Beruf gewählt haben, weil man damit viel Geld verdient und nicht weil man diesen Beruf machen möchte oder machen kann. Sind es nicht von vorneherein die falschen Anreize, die damit zur Berufswahl führen? Verschiedene Berufe gibt es nicht mehr oder selten, weil diese zu einer gestörten gesellschaftlichen Wahrnehmung führen. In Afrika ist eine junge Frau ein angesehenes Mitglied der Menschheitsfamilie, wenn sie als Haushälterin in einem anderen Haus mitarbeitet. Manche Menschen lieben die Hausarbeit, andere hassen sie. Meine Tante Renate zum Beispiel liebt Hausarbeit über alles und hat im Zweifel gerne noch für viele andere mitgemacht, gewaschen und gebügelt. Auch wir hatten eine Haushälterin, die Vollzeit bei uns gearbeitet hat und sich auch mit um unsere Kinder gekümmert hat, wodurch meine Frau und ich Vollzeit arbeiten konnten. Hätten wir sie nicht gehabt, wäre einer von uns beiden nicht zur Arbeit gekommen und unsere Haushälterin hätte keine Beschäftigung gehabt. Wir haben sie zwar für ihre Arbeit bezahlt, aber sie war unsere Adoptivoma, Teil der Familie und wir sind befreundet. Sie war nicht unwichtiger als wir, sondern hat uns geholfen einer Arbeit nachzugehen, die wir lieben, während sie eine Arbeit gemacht hat, die sie geliebt hat. Sie hat sogar nach Erreichen des Rentenalters weitergearbeitet, weil sie diesen Beruf mag. Meine Mutter hat Hausarbeit nie gemocht, sie hätte gerne gearbeitet, hat aber nach altem Rollenverständnis sich um Haushalt und Familie gekümmert. Sie hat den größten Teil des Lebens einen Beruf gemacht, den sie gehasst hat und dadurch hat jemand anders nicht als Haushaltshilfe arbeiten können.
An unserer Stammtankstelle hat ein netter Herr gearbeitet, der sonst arbeitslos gewesen wäre und hat mit großer Leidenschaft und Hingabe als Tankwart gearbeitet. Man hat ihm angemerkt, dass ihm seine Arbeit Freude und Erfüllung gegeben hat. Tankwarte waren früher üblich in der ganzen Welt. In Tansania tankt niemand selbst. Alle Tankwarte hier sind gut gelaunt und reißen sich drei Beine für Ihre Kunden aus, putzen noch die Scheiben oder ähnliches und erhalten dann auch häufiger ein Trinkgeld. Serviceleistungen sind nichts Schlechtes. Wer hat etwas gewonnen, wenn man selber tankt? Geht das schneller, geht es besser? Warum sind diese Berufe dann verschwunden, obwohl es genug Menschen gab, die das gerne gemacht haben? Sind Selbstbedienungsrestaurants wie McDonald wirklich besser als ein Restaurant, in dem eine Bedienung oder ein Kellner sich um den Gast sorgt? Was macht einen Beruf schlechter oder besser. Ganz einfach: die Bezahlung. Was aber wäre, wenn man davon wegkäme, dass es bessere und schlechtere Berufe gibt. Wie wäre es, wenn jeder genug Geld verdienen würde, um das zu konsumieren was er möchte und sich auch Urlaube, ohne nachzudenken leisten könnte. Wäre das ein Nachteil oder ein Vorteil?, werden glückliche Menschen öfter oder seltener krank? Falls ihr es nicht wisst – sie sind gesünder.
Es würde die Wirtschaft ankurbeln, es gäbe mehr und bessere Hotels und Restaurants, es würde eine völlig neue Freizeitkultur entstehen und die Leute würden konsumieren, statt sparen, da sie nach dem Konzept dieses Buches am Ende Ihres Lebens nicht als reichster Mensch im Sarg liegen würden (Siehe auch das Kapitel über Besitz).
Schatzkammern wie bei Pharaonen und Königen könnte man verhindern, wenn es für die Menschen Sinn machen würde das Geld zu Lebzeiten zu verbrauchen und nicht Angst vor Not zu haben, weil es
diese nicht geben würde. Wenn man das Kapitel isoliert, liest mag das verrückt klingen, ich bitte daher alles im Kontext zu sehen.
Noch einmal: ich denke nicht, dass sich Anstrengung nicht lohnen sollte. Jeder sollte eine Art Selbstständiger sein, damit man mit mehr Arbeit sich auch mehr leisten kann. Sei es Zeit (Zeitkonto) oder Freizeit oder auch Besitz. Der Unterschied zwischen einem Selbstständigen und Angestellten ist, dass der Selbstständige, Selbst Ständig arbeitet, während der Angestellte sich Anstellt, wenn er mal eine Überstunde machen soll.
Sorry, das war jetzt etwas provokant, aber warum sollte nicht jeder selbst darüber entscheiden dürfen wie lange und intensiv er arbeiten will, und wenn er weniger arbeiten möchte bekommt er weniger Geld, aber er wird nicht verhungern oder verdursten, erfrieren oder nicht Duschen können.
Im Grunde ist es nicht schwer ein solches Konstrukt erfolgreich zu planen, wenn man es schafft, sich von den bisherigen Vorstellungen der Berufe zu trennen. Ein fauler Arzt wird so viel verdienen wie ein fauler Kanalarbeiter, ein fleißiger Straßenarbeiter mehr als sein fauler Dienstherr und ein Politiker würde nach Leistung und nicht nach Position entlöhnt werden. Wer wäre mit dieser Lösung unzufrieden? Es wären die unzufrieden, die aktuell Geld für Nichtstun bekommen, Politiker, die sich auf ihrem Mandat ausruhen, Gefälligkeitsabstimmungen machen, um nach der politischen Karriere im Aufsichtsrat einer Pharmafirma zu sitzen und Prozente einzustreichen. Fußball Funktionäre deren Hauptleistung darin besteht, in der VIP-Lounge zu sitzen und Fußballspielen zuzuschauen und die Welt mit
philosophischen Erkenntnissen wie: „Der Ball ist rund“ und „ein Spiel dauert 90 Minuten zu bereichern“. Ferner alle die, die von Beruf Kinder sind oder sogenannte Celebritys.
Wäre so eine Veränderung möglich? Ja, allerdings ist dazu etwas Mühe nötig, um Menschen das Selbstvertrauen zurückzugeben und eine gerechte Verteilung des Geldes zu gewährleisten. Inflation ist eine Illusion, Tarifverträge ebenfalls. Konsortien sind die Lösung, in denen der Betriebsleiter sich als Teil des Ganzen versteht und die Aufträge und Ergebnisse der Arbeit gerecht verteilt werden, wie man dies z.B. auf Piratenschiffen gemacht haben soll. Wie die interne Verteilung funktioniert, regelt sich selbst, wenn der Chef sich schlechter als andere Kapitäne verhält, verliert er seine Crew. Menschen haben ein gutes Gefühl dafür, wer mehr oder weniger leistet und wer in einem Betrieb wie wertvoll ist. Das ließe sich auch immer wieder neu feststellen z.B. einmal im Jahr
Welch eine Vorstellung, ein erfolgreicher Betrieb führt nicht dazu, dass der Chef eine Villa und zehn Autos hat, sondern jeder Arbeiter eine Villa und ein Auto hat. Welch Motivationsschub. Wenn ich gut arbeite, profitiere ich selbst davon und nicht mein Chef. Schlechte Betriebe hätten unmotivierte Mitarbeiter, wegen schlechter Bezahlung. Warum sollte das nicht funktionieren?
Noch einmal: in meinem Konstrukt gibt keine Steuern, über die ein Staat verfügen könnte. Du musst Dein Geld bis zu Deinem Tod ausgegeben haben. Du kannst Deine Kinder Deinen Betrieb mit – und Fortführen lassen, wenn diese das nicht wollen, machen sie etwas Neues, von Anfang an. Das führt zu Innovation und Fortschritt statt eingerosteten alten Familienstrukturen.
Egal ob Stadtwerke, Restaurant, Hotel oder Kreuzfahrtschiff, jeder ist Teil eines Uhrwerks, jedes Rädchen hat eine Funktion und wenn es irgendwo hakt, dann bleibt die gesamte Uhr stehen.
Die Vorstellung muss klar sein: Wir reden hier nicht von einem Mangeldenken, sondern einem Überflussdenken. Dieser Überfluss wächst bis zu dem Moment, wo die Menschen mehr Geld verdienen als sie ausgeben MÖCHTEN, nicht können. Es gibt viele Studien, die genau bestimmen konnten, ab welchem Verdienst es egal ist, ob man noch mehr verdient. Die magische Grenze liegt bei ca. 50.000 € im Jahr zur freien Verfügung. Ab dieser Summe ist eine Steigerung nicht mehr relevant für das Wohlbefinden. Mit diesem Geld kann man sich fast alles kaufen, was man sich wünscht. Also ein Einkommen von 4-5.000€ nach Steuern. Die wir in unserer fiktiven zukünftigen Welt ja gar nicht mehr brauchen würden. (Das wäre schon sehr hoch gegriffen, denn auch Mehrwert-, Umsatz und andere Steuern würden wegfallen, was wieder mehr Geld bedeuten würde. Die Menschen hätten weniger Sorgen und mehr Motivation und würden lieber arbeiten, aber auch ihre Freizeit bewusster verbringen und sich nicht mehr mit einem Bier vor den Fernseher setzen, um die Gedanken an den Tag auszulöschen.