Kapitel 015

WETTBEWERB

Dr. Bodo SchiffmannGeschrieben Juli–September 2022Originalseiten 86–89
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Erst wenn viele Menschen die gleiche Dienstleistung auf andere Weise erbringen, entsteht Wettbewerb. Unabhängig davon, ob es sich um das Hotelfach, die Medizin oder die Kfz Werkstatt handelt. Solange Großkonzerne alles an sich reißen (Amazon, Post, Microsoft, Apple) gibt es keinen echten Wettbewerb, sondern eine quasi Monopolstellung. Was die Welt benötigt, ist wieder ein echter Wettbewerb mit belebten Fußgängerzonen, Dörfern und Städten, mit Einzelhandel und Werkstätten, mit Handwerksbetrieben und Kleindruckereien, mit einer freien Presse und einer Zensurfreiheit.

Ich lebe in Tansania, dort ist der Besuch einer Stadt etwas ganz anderes als in Deutschland. Es gibt Straßenzüge in denen ein Autozubehörgeschäft neben dem nächsten liegt. Gassen in denen zwanzig Handyreparateure nebeneinander arbeiten. Sanitär und Baumaterialen und Werkzeuge dicht gedrängt, Geschäft an Geschäft. Kein Obi, kein Bauhaus. Hier gibt es Landwirtschaftsbedarf und Samenhandlung nebeneinander. Alle diese Geschäfte leben und haben ein Auskommen. Diese Konkurrenz belebt das Geschäft. Einzelne spezialisieren sich etwas, geben dir dann einen Tip, wo du das gewünschte Produkt findest. Andere übernehmen eine Lotsenfunktion, du sagst Ihnen, was du brauchst, und sie führen dich zum gewünschten Geschäft. Es ist ein reges, lebhaftes Treiben auf der Straße und wenn ein Händler keine Schaufeln mehr hat, gehst du zum nächsten oder der erste Händler besorgt sie dir bei einem Kollegen, nicht Konkurrenten. Jeder weiß in welchem Teil der Stadt welche Geschäfte sind. Es gibt Gebrauchtschuhe, alle am gleichen Markt, direkt nebeneinander. Dadurch findet der Kunde am Ende alles. Durch die direkte

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Nachbarschaft der Anbieter, bleiben auch die Preise stabiler, da die Konkurrenz zu groß ist, um Wucher zu treiben. Unsere Städte dagegen sind verwaist, die afrikanischen wachsen. Wo gibt es in Deutschland noch ein Einkaufserlebnis? Wir vereinsamen, auch durch die Supermärkte, während wir auf dem Markt und in einer Stadt nach Afrikanischem Vorbild, Menschen kennenlernen könnten.

Ich sage nicht, dass afrikanische Geschäfte toller wären, sie sind oft schmutzig und chaotisch, aber sie sind viel persönlicher. Welches Kind kann heute noch mit einem Kaufmannsladen spielen und dabei Spaß haben? Es hat nie erlebt, wie es ist beraten und „bedient“ zu werden. Vorschläge zu bekommen, wenn etwas nicht vorrätig ist wie: „Benutzen sie doch mal das …“ Wir kennen nur endlose Regalreihen, vertrauen nur Produkten, die wir aus der Werbung kennen und legen diese in den Einkaufswagen, um sich stumm in eine Schlange an einer Kasse zu stellen. Wenn die Entwicklung so weiter geht, wie bisher, dann werden dort auch bald keine Menschen mehr an der Kasse sitzen. Dann nimmst Du dein Produkt, steckst es ein und beim Verlassen werden die digitalen Signaturen der mitgenommenen Produkte direkt von deinem Chip unter der Haut abgezogen, vorausgesetzt du warst brav genug und bist noch zum Einkaufen berechtigt.

Ein Wettbewerb ist nur dann möglich, wenn der Verkäufer wieder zum Dienstleister wird, der seinem Kunden helfen möchte und als Ziel hat, dass der Kunde glücklich den Laden verlässt. Das klingt jetzt für manchen sicher abgehoben und unrealistisch: In Tansania funktioniert es jedenfalls. Wenn der Einzelhändler das gewünschte Produkt nicht hat, dann reißt er sich 10 Beine für dich aus, damit du das bekommst, weswegen zu überhaupt in den Laden gekommen bist.

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Der Verkäufer möchte, dass du seinen Laden zufrieden verlässt und dich als Kunde nicht nach einem neuen Händler umschaust. Er weiß, dass wenn er sich nicht so verhält, sein Nachbar Dich als Kunden gewinnt, wenn er die Kundenzufriedenheit über den eigenen Profit zu stellen. Diese Händler befinden sich in einem echten Wettbewerb mit ihrem Mitbewerber.

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