Kapitel 067

HATESPEECH, MOBBING UND TROLLE

Dr. Bodo SchiffmannGeschrieben Juli–September 2022Originalseiten 321–327
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Wenn man sich das Internet als unzensierbaren Raum wünscht, dann muss man davon ausgehen, dass der größte Teil der Menschen mit Respekt und Anstand miteinander umgehen möchte und sicher ist das auch der Fall. Leider gibt es in nahezu jedem Forum, Chatroom oder Kanal Menschen, die genau diesen Frieden vorsätzlich stören möchten. Interessanterweise ist dies zum Teil sogar deren Beruf. Für mich eine der erschreckendsten Erkenntnisse der Jahre 2020 bis 2022 war, als ich lernen musste, dass es Agenturen gibt, die gegen Bezahlung Unfrieden in sozialen Medien schüren oder verursachen sollen. Diese Troll Armeen sind zum Teil hochprofessionell organisiert, arbeiten mit Batterien von Mobilgeräten und teilweise mit automatisierten Antwortmaschinen, sogenannten Bots. Man muss es gesehen haben, um es zu glauben. Die Existenz der Troll Armeen wird in Deutschland nicht geleugnet, aber sie wird ausschließlich Russland oder China (die Bösen) in die Schuhe geschoben, um im Westen (die Guten) Unfrieden zu stiften. Natürlich ist dieses Narrativ unsinnig und es gibt genauso in Deutschland Menschen, die für Ihre Hasskommentare und Negativbewertungen Geld erhalten. Es spielt in zunehmendem Maße eine Rolle und gehört zur sogenannten De-Platforming Strategie. Man versucht andersdenkende im Netz so lange mittels Psychoterror zu bombardieren und die Diskussionskanäle zu vergiften, bis diese den Spaß verlieren und andere keine Lust mehr haben mitzudiskutieren. Ähnliches gilt für die Antifa in Deutschland oder sogenannte Fakten-Checker. Viele Menschen vertrauen den Fakten Checkern. Wenn man diese mal auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft, muss man ernüchtert feststellen, dass die Darstellung der Realität immer davon abhängt, wer gerade die meisten Zuwendungen an das Portal bezahlt.

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Die Finanzierung wird nicht versteckt und man erkennt deutlich, dass eine Objektivität hier nur einer Solidarität gegenüber den Geldströmen entspricht. Die meisten Trolle sind aber einfach, genau wie jemand der in der Schule oder Beruf mobbt, Menschen die versuchen etwas vom Ruhm und Erfolg des Gemobbten zu stehlen, um ihr eigenes gestörtes Selbstbewusstsein etwas aufzubauen und sich für einen Moment größer zu fühlen als der bekannte Gemobbte. Wie also kann man dieses Problem beseitigen? Dies geht aktuell nur mit einem hohen Aufwand. Im Falle meiner Kanäle arbeiten 12 Admins ehrenamtlich in den Chats mit und löschen böswillige, beleidigende oder rassistisch, extremistische Beiträge und sperren die User. Die Profitrolle haben allerdings mehrere Dutzende Identitäten und setzen ihr zermürbendes Spiel unvermindert durch, so dass in den Trolllisten unserer Admins mittlerweile an die 5000 Pseudonyme sind, die abgeglichen werden müssen und gelöscht werden, um anderen eine gute Atmosphäre im Chat zu ermöglichen. Für die meisten Forenbetreiber ein unmögliches Unterfangen. Dazu kommen persönliche Angriffe, Unterstellungen, Drohungen und Beleidigungen. Ohne meine Administratoren, gebe ich zu, hätte ich auch schon lange den Spaß und die Energie verloren. Andere ziehen Ihre Energie daraus als Störer aufzutreten, weil Sie dadurch Aufmerksamkeit bekommen, die sie sonst nie hätten. Sie segeln im Windschatten eines anderen Menschen aus der Öffentlichkeit mit und genießen Ihren Moment des Ruhms, wenn sie erkennbare Reaktionen aus dem Kreis der anderen User bekommen. Die eigene Unzulänglichkeit oder der Selbsthass wird hier auf andere projiziert und der Erfolg und die Leistung besteht darin, andere zu zerstören. Sicher eine Form des digitalen Sadismus als neue Form einer gestörten Persönlichkeit. Trolle denken nicht über die Folgen ihres Tuns nach. Es geht Ihnen, wie im Straßenkampf darum, sinnlos zu provozieren und dann die Kräfte im Duell zu messen. Eigene

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Narben oder Wunden werden dann mit Stolz getragen und sie fühlen sich als Helden. Wie also die Gratwanderung zwischen freier Meinungsäußerung und Zensur bewältigen. Wie ist es vereinbar, dass jemand wie ich in seinen Kanälen anderen den Zutritt verbietet und deren Beiträge löscht und gleichzeitig für sich selbst Zensurfreiheit fordert? Die Antwort ist denkbar einfach und die Lösung der Troll Frage in privaten Diskussionsgruppen genauso. Für mich sind meine Chats und meine Kanäle wie ein Haus. Ich lade gerne jeden ein, in meinem Haus mein Gast zu sein. Wenn er dann anfängt die Möbel zu zerstören, mutwillig Dinge kaputtmacht oder andere Gäste angreift oder beleidigt, dann hat er sein Gastrecht verwirkt. Auch lasse ich niemand in mein Haus, der nicht als Mensch erkennbar ist. Jemand in einer Kampfuniform mit Undurchsichtigem Helm ist sicherlich nicht ein typischer Gast. Wer Lust hat an einem Projekt teilzunehmen, sollte zu seiner Meinung und seiner Einstellung stehen. Wer an öffentlichen Diskussionen oder kritischen Debatten teilhaben möchte, sollte dafür genauso gerade stehen wie ein Demonstrant auf einer Querdenken – Demonstration. Wenn man zu einer gefragten Bevölkerungsgruppe gehört, dann zeugt es von Mut, wenn man sich in der Öffentlichkeit wagt und sein Gesicht zeigt und wahrt. Warum sollte man im Internet anonym sein? Warum sollte man in einer freien Gesellschaft nicht zu seiner Meinung stehen, so wie dies viele tapfere Menschen in den Widerstandsjahren 2020 bis 2022 bisher getan haben? Wozu brauchen wir die Anonymität tatsächlich? Gehen wir einmal davon aus, dass ein staatlicher Zugriff auf Inhalte des Internet verboten wird (Zensur) und dies zu einem der Grundrechte erklärt werden würde, die unter keinen Umständen, auch nicht bei Krieg, Seuchen oder drohendem Weltuntergang ausgehobelt werden dürften.

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Klarer: Der Staat darf niemals zensieren oder kontrollieren. (nur eine Fiktion – sicher keine perfekte Idee) Träumen wir doch in dem Fall gerne den Traum des Great Reset mit einer einmaligen lebenslangen Internet ID – die aber niemals gelöscht werden darf und ausschließlich für Foren, nicht aber für Banken oder Dienstleistungen verwendet werden darf. Also jeder Mensch hat eine digitale Stimme, die ihm niemals auch nicht bei Straftaten entzogen werden darf. Jeder Mensch hat allzeit das Recht zu sprechen. ABER: Diese Forums - Kennung ist einmalig und nur mit ihm verknüpft. Sie wird Teil einer Blockchain, ist nicht übertragbar und nicht löschbar. Diese digitale Identität zeigt stets genau den Besitzer an. Noch einmal, weder Staat noch Gerichte, noch der User selbst kann und darf diese Identität löschen. Wenn jemand nachweist (z.B. bei der Polizei) dass jemand seine Identität gestohlen oder gelöscht hat, ist dieser digitale Mord ein Kapitalverbrechen und der Löscher wird dafür haftbar gemacht. Nicht nur der Auftraggeber. Es gibt keinen einzige Rechtfertigung, diese einmalige Kennung jemals zu löschen. Der Betreiber eines Kanals oder eines Chats kann dann selbst entscheiden, ob er anonyme und reale Personen zulässt oder ausschließlich die verifizierten Menschen. Bedeutet, man kann auch anonyme ID’S erstellen, dies wird aber erkennbar, so wie bei einer gesicherten oder nicht gesicherten Identität im Internet. Die „echten“ ID‘s in einem verifizierten Chat jederzeit im Klarnamen auch mit Bild erkennbar. Sie wären im Falle einer Drohung oder Erpressung, sowie bei Rufmord und übler Nachrede greifbar und verfolgbar. Ich glaube kaum, dass sich noch viele Trolle in diesen Chats einfinden würden. Ähnliches gilt für Dating Portale. Während sich die One-Night Stand Community wahrscheinlich eher auf anonyme Chats verständigen

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würde, bekämen diejenigen, die wirklich nach einem Partner suchen, so manche Enttäuschung erspart.

Ist etwas falsch daran, für seine eigene Meinung sein Gesicht zu zeigen? Sollten wir nicht in eine Welt starten, die auf Ehrlichkeit und Rückgrat basiert? Schützt uns die Pseudonym – Mentalität oder schadet die Anonymität uns nicht viel mehr? Würde dies nicht zu einem besseren Umgangston führen. Man würde selbst etwas mehr auf seine eigene Wortwahl achten, denke ich. Brauchen wir in privaten Räumen, wie einem Chat, wirklich Anonymität oder können wir uns nicht selbst entscheiden, ob wir der Einladung zu einer Party folgen möchten oder eben nicht. Die Blockchain Technik würde hier als Trustsystem sicher gute Dienste tun. Nur dass diesmal der Schwachpunkt, nämlich die anonymen Miner (Siehe auch das Kapitel Kryptowährung) wegfallen würde. Eine rudimentäre Ausgabe der Bitcoin Strategie würde die Funktion erfüllen. Jeder kann sich selbst einmalig eintragen und benötigt dazu einen anerkannten Identitätsnachweis um sich zu legitimieren. Simpel, effektiv. Einmal in der Kette ist dies nie wieder nötig und kann auch nicht mehr gelöscht werden. Jeder verfügt über die Kontrolldaten selbst auf seinem Rechner. Nach meiner Einschätzung würden wir hier viele aktuelle Probleme des Internets auf einmal lösen. Auch die Fakenews, würden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zurückgehen, wenn die Quelle nachvollziehbar werden würde. Auch eine Zeitung würde die Artikel eindeutig mit der Nummer des Journalisten verbinden. Pseudonyme helfen eigentlich nur Menschen, die nicht hinter ihrer eigenen Meinung stehen können oder wollen. Eine Troll Armee kann hier nichts ausrichten, auch nicht mit tausenden von Sim-Karten. Noch einmal: Die Nummer erhält jeder, der sich selbst in die Blockchain einträgt.

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Wer nicht am Internetleben teilnehmen möchte, braucht keine ID. Diese ID ist durch den Benutzer selbst mit seiner Identität verknüpft worden und dient nur für den Zweck der Teilnahme an Messengern und Foren. Er selbst entscheidet, ob er einem Real – Name Chat beitritt oder nicht. Auch Nachrichtenagenturen oder Onlineportale könnten sich darauf spezialisieren nur mit Trust – Journalisten zu arbeiten, die bei vorsätzlichen Fake-News auch dafür geradestehen müssen. Natürlich kann man mal versehentlich etwas weiterleiten, was isch im Nachhinein als falsch herausstellt, aber wenn die eigene Signatur dahinter steht, wird man diesen Fehler sicher sofort korrigieren, statt ihn auszusitzen. Man würde eine Gegendarstellung zum eigenen Artikel schreiben oder ihn zurückziehen. Ich bin der festen Überzeugung, dass Trolle, Hater und Spamer genauso wenig vermisst werden würden, wie Sexbots oder digitale Heiratsschwindler.

Im Chat schrieb jemand sehr passend: „Wenn jemand in mein Haus kommt, möchte ich wissen, wer er ist (Identifikation). Wenn er dann in die Ecke uriniert, werde ich ihn wieder des Hauses verweisen (Troll). „ Eine gute Zusammenfassung. Danke dafür.

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