WAS MACHEN WIR MIT UNSEREN ALTEN?
Wenn ich über die Kinder spreche, muss ich auch über „die Alten“ sprechen. Ich bin seit ca. 1,5 Jahren in Tansania und ich habe in dieser Zeit noch nicht ein einziges Alters- oder Pflegeheim entdeckt. Die Alten sind in den Gemeinschaften integriert, sie werden von den jüngeren versorgt und auch gepflegt, wenn dies erforderlich werden sollte. Man hört Ihnen zu, denn die Alten gelten als die Bewahrer des Wissens und man begegnet Ihnen mit Respekt. Sie haben Dinge erlebt, die die jüngeren nicht kennen und werden sowohl als Richter, wie als Schlichter wie als Ratgeber immer ernst genommen. In unseren „zivilisierten“ Staaten werden sie in Zimmer eingesperrt, die häufig kleiner sind als eine Zelle in einem Gefängnis. Sie sitzen dort nicht selten in Einzelhaft mit einer Handvoll Gegenstände, die sie mit in die letzte Gefangenschaft bringen durften. Dort sitzen sie und warten darauf, dass sich der Tod erbarmt und zu Ihnen kommt. Seit dem Jahr 2020 gelten verschärfte Haftbedingungen, die auch den gemeinsamen Besuch der Kantine unterbunden haben und auch die Besuche von außerhalb, wurden „zum Schutz“, der zum Tode verurteilten, unterbunden. Man hatte es sich wohl zum Ziel gesetzt, Ihre Haft zu verlängern und die Zeit bis zum Sterben grausamer zu machen. Das Verbrechen dieser inhaftierten Generationen bestand darin, nach dem zweiten Weltkrieg eine freie Gesellschaft, mit einem vom Staat weitgehend unabhängigen Mittelstand aufzubauen. Sie errichteten Wohlstand aus den Trümmern der Vergangenheit und bauten eine strahlende Zivilisation auf.. Für dieses Verbrechen, war es wohl die gerechte Strafe, dass man ihnen in der Erkältungswelle 2020-22 jede menschlicher Zuneigung durch die Kinder und Enkel entzieht und Ihnen von maskierten, gesichtslosen Wärtern die Nahrung vorsetzen lässt, denn vor den Coronakriegen
gegen die Menschheit setzte Essen für mich auch Gesellschaft und Gespräche und Nähe voraus. Es war wohl sicher aus Solidarität auch gerechtfertigt, dass sie noch nicht einmal Zuspruch, Trost oder Krankensalbung, von sogenannten Geistlichen, bekamen, die offensichtlich die Lehre unseres Herrn Jesus Christus nichts verstanden haben.
Selbst nach Ihrem Tod, nahm man keine Rücksicht darauf, ob sie eine Verbrennung zu Lebzeiten abgelehnt haben, und ihre Angehörigen wollten und konnten sie offensichtlich weder sehen noch in der Stunde des Todes bei Ihnen sein, selbst sogenannte Freunde und Wegbegleiter wurden davon ausgeschlossen, dass Sie Ihnen das letzte Geleit gewähren. Es wurde akzeptiert, aus Solidarität.
Die Menschen in Tansania verstehen das alles nicht. Sie sind halt „Primitiv“ und „Rückständig“ nicht so „zivilisiert“ wie wir.
Ich bin 54 Jahre. Ich habe meinen Kindern gelehrt, dass sie mich eher in der Wüste aussetzen sollen oder ins Meer schmeißen können, als mich in diese Folterhölle der Pflegeheime zu verfrachten. Das ist kein Konzept für die Zukunft.
Wir brauchen wieder ein Recht zu einem Leben in der Gemeinschaft, von der Geburt bis zur Bahre. Nicht jeder muss seine Angehörigen selbst pflegen, aber man sollte Ihnen ermöglichen dort zu leben, wo sie es wünschen. Man kann die alten und sterbenden integrieren, statt sie zu isolieren. Es ist nichts Schlechtes daran, wenn ein Kind einen Erwachsenen beim Sterben begleitet. Es ist ein Teil des Lebens und wir müssen endlich den Tod enttabuisieren. Wir brauchen Konzepte für Modelle, wo die Generationen zusammen unter einem Dach leben wie dies in den meisten Teilen der Welt geschieht.
Das, was wir in Europa und Amerika machen ist nicht die Regel! Unser Verhalten gegenüber unseren Alten ist die Ausnahme. Wir müssen uns das klar machen!
Es ist nicht normal, die Menschen die Verantwortung für uns übernommen haben und uns groß gezogen haben, einfach irgendwo abzustellen, wo „sie es schön haben werden“. (Ich rede hier nicht von einem betreuten Wohnen, in dem Menschen sich selbst eine Wohnung gekauft haben, um im Krankheitsfall gepflegt werden zu können)
Ich rede von den Alten die man wie einen Hund an der Autobahn in einem Altersheim ausgesetzt hat. Für die, die glauben ich hätte keine Ahnung sein gesagt, dass ich einen Teil meines Studiums als Nachtpfleger im Altersheim des DRK – Worms gearbeitet habe. Von daher verfüge ich über Insiderkompetenz.
Wir haben die Möglichkeit unseren Eltern und Großeltern, die Liebe zurückzuzahlen, die sie bei uns in Kindheitstagen eingezahlt haben.
Natürlich gibt es auch Eltern, die sich tyrannisch verhalten oder auch verhalten haben. Ich kenne Fälle, in denen sich Eltern selbst für ein Leben in der Gemeinschaft disqualifizieren, aber die Gesellschaft muss lernen auch für diese eine Möglichkeit zu finden in Würde zu altern.
Manche Eltern tragen selbst schuld daran, dass sie aus der Familie ausgestoßen wurden. Das gibt es auch in anderen Ländern. Wenn es dann niemand gibt, der sich um sie kümmern will, dann gibt es dafür Gründe. Es gibt aber auch Menschen ohne Angehörige, hier müssen Strukturen geschaffen werden, ein menschliches Leben für alle zu entwickeln.
In einer Gemeinschaft in einem Dorf, wo jeder sich mit um den anderen kümmert, könnte man einfach Konzepte entwickeln, die die Belastung des Einzelnen klein macht. Sicherlich sind die derzeitigen Altersgefängnisse mit Ihren Todeszellen nicht dafür geeignet. Ihre Aufgabe besteht leider primär darin, möglichst viele zahlende Kunden, zu überhöhten Preisen auf engem Raum einzusperren.
Auch die Generation der zukünftigen Älteren muss lernen, dass sie ihre Kinder nicht besitzen und nicht beherrschen. Es ist eine Chance die Gesellschaft wieder neu zu gliedern mit gleichberechtigten Altersgruppen, in der jede Altersschicht Ihre Aufgabe in der Gesellschaft übernimmt und niemand eingesperrt auf seinen Tod warten muß.