Kapitel 016

WERBUNG

Dr. Bodo SchiffmannGeschrieben Juli–September 2022Originalseiten 89–94
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Man sagt wer nicht wirbt stirbt. In dieser Aussage liegt viel Wahrheit. Den Haupterfolg meiner Privatpraxis hatte ich zu Anfang bezahlten Anzeigen, die an Suchbegriffe gekoppelt waren zu verdanken. Die ersten Erfolge verdanke ich eine sehr intensive Werbung über Google. Nur darüber haben wir die ersten überregionalen Patienten akquiriert und unsere Praxis zu dem gemacht, was sie am Ende war, bevor man sie uns weggenommen hat, weil ich mich kritisch zu den Maßnahmen der Regierung in Bezug auf die Corona 19 Pandemie geäußert habe. Ich bin absolut nicht generell gegen Werbung. Ich persönlich finde Werbung mitunter auch informativ, weil sie mich auf neue Produkte hinweist, auf die ich sonst nicht aufmerksam geworden wäre. Auf der anderen Seite ist es so, dass diese Werbung natürlich Begehrlichkeiten weckt, die man ohne sie gar nicht hätte. Werbung kann ein Verlangen erschaffen, welches überhaupt nicht existiert. Die Werbung kann suggerieren, mir dass ich etwas besitzen müsste, um glücklich zu sein. Sie gibt mir das Gefühl, dass wenn ich es nicht habe, dann würde ich nicht dazu gehören. Die erste Zeit in Tansania hatte ich einen regelrechten Amazon-Entzug. Eine Lieferung hierher ist teuer und langsam. Die ersten Monate habe ich gepürt, wie viel Zeit ich beim Online-Shoppen verbracht habe und wie konsumsüchtig ich war. Mittlerweile bin ich „clean“ J.

Es ist aber auch die Werbung, die darüber bestimmt wie Medien und Presse berichten, welche Partei wir wählen und die große Einflussnahme der Hochfinanz, der Pharmaindustrie ermöglichen. Denn diese Werbeeinnahmen waren am Ende das Haupteinkommen der Zeitungen, Sender und auch der Händler.

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Die vierte Macht im Staat, die Presse, verkaufte ihre Unabhängigkeit, weil sie von den Werbeeinnahmen abhängig geworden ist. Die Frage muss also sein, wie man es schafft, Werbung so zu regulieren, dass sie nicht mehr in der Lage ist, Menschen zu beeinflussen, sondern zu informieren. Diese Gratwanderung ist sehr schwer zu bewerkstelligen und ich weiß nicht, ob es überhaupt geht. Ganz ohne Werbung, wird es allerdings schwer sein, seine Produkte über die Grenzen der eigenen Stadt hinaus bekannt zu machen. Wir leben in einer globalen Welt und es ist sicher notwendig, dass Produkte genormt funktionieren. Nehmen wir einmal als Beispiel Adapter für Telefone oder für Computer. Es hat lange gedauert, bis man sich auf Standards geeinigt hat und diese Standards sind für alle sehr hilfreich. Die beste Möglichkeit die Produkte zu bewerben ist selbstverständlich über das Internet und über soziale Medien, aber die Frage ist, ob es erlaubt sein darf, das Werbeunternehmen kombiniert sein dürfen mit Suchmaschinenanbietern, wie Google®. Adwords® als Beispiel verschafft seinen Werbekunden deutlich mehr Klicks als seinen nicht werbenden Firmen. Sie beeinflussen das Kaufverhalten der Kunden, indem sie die Käufe und besuchten Seiten protokollieren und der User bekommt Produkte präsentiert, die er mögen könnten, obwohl er nicht danach gesucht hat. Personalisierte Werbung ist eine gezielte Manipulation ohne Auftrag des Kunden. Zur Werbung von heute gehört, dass die Suchmaschine weiß, was der Kunde, der im Moment gerade vor dem Computer sitzt und etwas sucht, normalerweise kauft. Es ist bekannt, ob er eher billige Produkte, Markenwaren oder ähnliches kauft und vielleicht auch welche ähnlichen Gegenstände er bereits zuhause besitzt. Kann diese Überwachung im Sinne des Verbrauchers sein? Wollen wir, das eine international tätige Handelsorganisationen, genau darüber Bescheid weiß, welche Vorlieben wir beim Kauf von Lebensmitteln, Musik, Kleidung und Ähnlichem haben? Wollen wir, dass der Mensch

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überwachbar ist? Es stellt sich also die Frage, soll man Werbung zulassen oder soll meine Werbung nicht zulassen? Wie kann man Werbung überwachen, wenn man sie zulässt. Wer hat überhaupt das Recht Werbung zu überwachen oder zu gestalten.

Ich kann diese Frage nicht beantworten. Ich halte sie aber für eine der zentralen Probleme, die durch die Vernetzung und die Suchmaschinen auf uns zugekommen sind. Wer möchte schon auf eine Suchmaschine wie Google verzichten oder wer will schon auf eine Weltweite Handelsplattform missen. Vielleicht ist hier ein Marktplatz wie Ebay die bessere Möglichkeit, in der man nach privaten Anbietern suchen kann, die eine besondere Dienstleistung oder auch ein Produkt anbieten. Allerdings sollte man hier bezahlte, Platzierungen verbieten, auch könnte man die sozialen bestehenden Netzwerke nutzen, um die eigenen Produkte, über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt zu machen, ohne dass hier eine Vorteilnahme entstehen darf, über platzierte Werbung. Ich mag Handelsplattformen wie Ebay oder Rebuy, wo gebrauchte Gegenstände oder auch Neuwaren von Einzelpersonen gehandelt werden können und diese dann in einer direkten Beziehungen zu ihrem Endkunden die Produkte auch verkaufen können. Ich finde es richtig, wenn der Verkäufer eine Gewährleistungspflicht für seine Produkte hat. Auch eine Produkthaftung ist erforderlich, so das eine Sorgfaltspflicht Seitens des Herstellers besteht. Dies darf aber nicht abstruse Formen annehmen, wie als Beispiel die 1.000.000$ Entschädigung, die einem Kunden in Amerika zugesprochen wurde, weil er sich an einem heißen Kaffee bei einem Fastfood Restaurant verbrannt hat. Der Geschädigte hat darauf hingewiesen, dass man ihn nicht darauf hingewiesen hat, dass der heiße Kaffee heiß sein könnte und dass man sich daran verbrennen könnte. Es gibt auch Intelligenz Bestien, die während der Fahrt in ihrem Camper das Navigationssystems anschalten und glauben

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es wäre ein Autopilot, um sich dann in den hinteren Bereich des Fahrzeugs zu begeben, um etwas aus der Küche zu holen. Wer derartig doof ist, ist dafür selbst verantwortlich und nicht der Hersteller des Navigationssystems.

Ich lebe in Tansania hier kann man beobachten, dass die Menschen deutlich weniger Begehrlichkeiten haben, weil sie nicht „non Stopp“ mit Werbung bombardiert werden. Die Ansprüche sind ganz andere. Die Menschen sind definitiv glücklicher, unterhalten sich, haben Freunde und helfen sich gegenseitig. Es gibt ein echtes soziales Netz in der Dorfgemeinschaft und die Menschen lassen sich gegenseitig nicht verhungern. Keiner verurteilt den anderen, weil dieser dreckige oder kaputte Kleidung trägt. Niemand legt Wert darauf, die teuerste Markenkleidung zu tragen. Das tut nur die sogenannte Elite, die die gleichen Anwandlungen haben, wie wir sie in Europa auch finden. Ich möchte gar nicht, dass wir keine Ansprüche haben. Ich finde es auch gut, wenn es Sachen gibt, die wir uns wünschen können. Ich finde es wünschenswert, dass fairer Handel getrieben wird und dass Menschen sich Dinge kaufen können, die sie schön finden. Ich finde es allerdings falsch, wenn wir über die Werbung suggeriert bekommen, dass wir ein spezielles Produkt besitzen müssen, um glücklich zu sein. In diesem Fall ist Werbung nicht mehr informativ, sondern manipulativ. Sie ist reißerisch. Diese Form der Werbung ist sicher gut für den Erfolg, aber nicht für die Menschen. Es führt dazu, dass Menschen sich Dinge kaufen, die sie nicht brauchen, mit Geld, das sie nicht haben. Damit verschulden sie sich und durch die Schulden entstehen noch mehr Schulden, weil die Zinsen, die auf den geliehenen Geld liegen, immer mehr zunehmen. Ich halte das für falsch. Die Hauptschuld an der Verschuldung der Menschen, trägt die Werbung. Die Menschen sind Opfer der Werbung und der gezielten Manipulation.

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