Kapitel 045

WER BRAUCHT KÖNIGE

Dr. Bodo SchiffmannGeschrieben Juli–September 2022Originalseiten 219–222
LesenBuch kaufen ↗
Seite 219

Reichsbürger und Kaisertreue sind für mich nicht Anschlussfähig gewesen, weil sie ihren Blick nicht nach vorne, sondern nach hinten gerichtet haben. Ich kann den Unterschied zwischen einem Kaiser, einem Sklavenhalter und dem WEF genauso wenig erkennen, wie ich glaube, dass es ein Geburtsrecht auf Überlegenheit gibt, wie dies bei den Königsfamilien zweifelsfrei für richtig gehalten wird. Eine gerechte Welt kommt ohne Herrscher aus, denn auch ein gerechter König, kann irgendwann zum Despoten werden. Es ist eine alt bekannte Tatsache, dass Macht korrumpiert. Wer einmal in die Riege der schönen, reichen, berühmten oder mächtigen aufgestiegen ist, möchte nicht wieder zurück in die Armut, die Straße oder eine normale Anstellung. Da der Mensch leider so veranlagt ist, muss die Frage gestellt werden, ob wir überhaupt Herrscher, Könige oder Bundeskanzler benötigen, um unser Leben zu organisieren. Die Antwort ist sehr einfach: Nein, die Menschheit hat immer dann Probleme bekommen, wenn irgend jemand der Meinung war, er könne über andere herrschen. Es macht keinen Unterschied, ob wir von Cäsaren, Päpsten, Pharaonen oder Regierungschefs sprechen. Wenn Sie einmal in einer Führungsposition waren, fühlten sie sich über andere erhaben und verloren den Kontakt zu ihren Wurzeln. Wir glauben, wir bräuchten jemand, der uns den Weg zeigt, weil man uns das Selbstvertrauen abgewöhnt hat. Das unterscheidet den Arbeitgeber vom Arbeitnehmer, den Unternehmer vom Angestellten. Die freien Menschen mit Selbstvertrauen wollen sich nicht unterordnen, sondern selbst bestimmen. Wie ein Kind, dass in seiner Entwicklung immer danach strebt, alles selbst zu machen.

Seite 220

Die Schule, die Ausbildung, die Universität haben alles dafür getan, diesen kindlichen Instinkt zu unterdrücken und den Menschen zum Gehorsam umzuerziehen. Bei den Unternehmern und Freigeistern ist ihnen das nicht gelungen, deshalb ist der Mittelstand auch einer der größten Feine des Systems, denn er erlaubt es, sich eigene Regeln zu geben und ist nicht bereit, sich blind befehligen zu lassen. Daher werden auch diese Betriebe und Menschen besonders bekämpft, auf dem Weg in einen totalitären Elitestaat im Sozialismus. Freigeister, Querdenker und Unternehmer waren immer gefährlich für herrschsüchtige, weil sie die Mechanismen erkannt und kritisiert haben und versucht haben, die kindliche Selbstbestimmung weiter zu vervollkommnen. Ich weiß noch nicht genau, wie das Konstrukt am besten aussehen würde, aber wir sollten in Zukunft Könige genauso vermeiden, wie Präsidenten oder Bundeskanzler, wenn wir uns in unsere Entwicklung mehr zum Frei-, Selbst oder Querdenker bewegen wollen.

Tatsächlich glaube ich sogar, wenn wir selbstbewusste Bürger wären, in einer wehrhaften Bevölkerung, dass es keine Bestimmer mehr geben muss und kann. Ob das ein Fernziel oder Nahziel ist, kann ich aktuell nicht wirklich beurteilen. Ich kenne aber aus den letzten Jahren, extrem viele Leute, mit denen das problemlos funktionieren könnte. Gehen wir noch einmal zurück, zum Beispiel des Kindes. Das Kind erweitert seine Freiheiten schrittweise und lernt ein Selbstbewusstsein „Ich kann“ zu entwickeln. Kurzfristige Rückschläge führen zu neuem Selbstbewusstsein, und Erkenntnis und hilft neue Wege zu entwickeln, wenn man das Kind gewähren lässt. Wenn aber Eltern, das Kind einschränken und keine Fehler zulassen, entsteht Unsicherheit und ein Versagensgefühl. Es ist keine Weiterentwicklung möglich, denn das Kind wird bestenfalls zu einer Kopie des Bestimmers.

Seite 221

Es fängt also schon damit an, das eigene Kind als Partner zu begreifen, der sich entwickeln muss und im optimalen Fall, werden die Eltern versuchen, die Wege des Kindes nicht nur zur begleiten, sondern vielleicht vom Kind in seiner Genialität zu lernen, selbst wieder kreativ und unbeugsam zu werden. Es dauert lange den Lebens- und Entwicklungsdrang eines Kindes zu bremsen und zu brechen. Es bringt die gesamte Spezies, keinen Schritt voran, festigt aber die Position der Bestimmer. Eine Zukunft entsteht so aber gewiss nicht.

Zum Kapitelanfang ↑