Jens Lehrich
Jens Lehrich war einer der ersten Journalisten, die mich interviewten. Er arbeitete damals als freier Mitarbeiter bei Rubikon. Ich war überrascht über die Professionalität, er saß in einem Studio in einem schallgedämpften Raum, hatte einen Kopfhörer auf und schon das Vorgespräch war sehr nett.
Jens Lehrich versteht es, ein Gespräch zu führen, die richtigen Fragen zu stellen und nachzufragen. Was ihn besonders auszeichnet ist, dass er immer versucht, neutral zu bleiben. Er übernimmt gerne mal die Rolle des Advocatus Diaboli und er fragt auch mal wie ein Freund. Man hat immer das Gefühl, dass er wirklich daran interessiert ist, was man zu sagen hat. Das erlebt man nicht oft, wenn man Interview-Erfahrung sammelt. Insbesondere, wenn man von größeren Stationen wie RTL oder n-tv auf der Straße zu einem Interview gedrängt wird. Hier ist das Gespräch von Anfang an gesteuert und man versucht, Fallen zu stellen und den Interviewten unsicher zu machen. Es kommt kein Gespräch zustande zwischen dem Reporter und dem Befragten. Bei Jens ist das anders. Er hat eine Vision: Er möchte alle Menschen wieder an einen Tisch bringen. Er kann nicht akzeptieren, dass wir einen Graben in der Gesellschaft haben, der bestehen bleiben soll. Er ist der Überzeugung, dass es die Aufgabe von Journalisten ist, beide Seiten zu Wort kommen zu lassen, ohne sie zu verurteilen. Er möchte die Meinung verstehen, das nennt man ehrliches Zuhören. Jens Lehrich legt seinen Gesprächspartnern keine Worte in den Mund. Er ist ehrlich interessiert, versucht zu rekapitulieren, was der andere sagen möchte und was seine wirkliche Aussage ist. Es ist ihm nicht daran gelegen, irgendjemand in eine Ecke oder Schublade zu stecken.
Es ist nicht so, dass wir in allen Punkten einer Meinung wären. Das wäre auch sehr langweilig. Jens Lehrich ist ein Gesprächspartner auf Augenhöhe, der seine eigene Meinung hat, aber nicht das Ziel verfolgt, seine eigene Meinung missionarisch auf andere Menschen zu übertragen. Ihm ist daran gelegen, Meinungsvielfalt darzustellen und als salomonischer Schiedsrichter in einem offenen Gespräch Menschen dazu zu bringen, respektvoll miteinander umzugehen. Wenn ein Mensch verstanden hat, wie ein Talking Stick funktioniert, dann ist es Jens Lehrich.
Der Talking Stick kommt, wie vorne bereits kurz erwähnt, von den Massai und der Sprechende hält einen Stab vor sich. Der nächste Redner darf erst dann reden, wenn er gezeigt hat, dass er den Vorredner verstanden hat. Er muss also in seinen eigenen Worten wiederholen, was sein Vorredner gesagt hat. Das setzt voraus, dass man ihm zuhört. Jens Lehrich ist ein Zuhörer. Jens Lehrich ist ein Netzwerker und Journalist aus Leidenschaft. Er ist der erste Mensch, den ich kennenlernte, der von sich mit Fug und Recht behaupten darf, dass er das, was er als Beruf macht, gelernt hat. Er ist gelernter Journalist. Dieser Begriff ist, soweit ich weiß, nicht geschützt. Jeder kann sich einen Presseausweis besorgen und als rasender Reporter durch die Lande ziehen. Jens Lehrich hat einen Beruf, weil er eine Berufung hat. Seine Berufung ist es, Menschen zu verbinden, Gräben zu schließen, weil die meisten Probleme, die in der Welt bestehen, in Wirklichkeit nur auf Missverständnissen beruhen. Das hat er verstanden.
Ich war richtig aufgeregt, als ich das erste Mal bei ihm in einem Fernsehstudio saß. Das war in Düsseldorf und wir führten auch in Hamburg noch einmal zusammen ein Interview in einem Fernsehstudio. Es ist beeindruckend, wie professionell er mit dieser Situation umgeht, die Regieanweisungen in seinem Ohr versteht und über Stunden ohne Pause Sendungen produzieren kann mit verschiedenen Gesprächspartnern. Er kann sich tatsächlich über mehrere Stunden auf seine Gesprächspartner konzentrieren und unterhaltsam mit einem ständigen Lächeln im Gesicht eine hochinteressante und spannen

Jens Lehrich aus dem Schneideraum
de Sendung produzieren. Sein neues Format FairTalk TV ist ihm ein ehrliches Anliegen. Er möchte zeigen, dass man ihm vertrauen kann, auch wenn man eine andere Meinung hat, und er arbeitet hart dafür, dass sich konträre Positionen an seinem Tisch immer auf Augenhöhe begegnen. Jens hat eine Mission zu erfüllen, die er sich selbst gesetzt hat. Er macht dies mit großer Begeisterung, ohne dass irgendetwas aufgesetzt ist.
Ich habe Jens Lehrich um ein Vorwort gebeten, weil ich glaube, dass er auch kritische Worte zu mir findet. Er ist kein Fanboy und weiß mich auch zu kritisieren. Das schätze ich sehr, denn es bringt nichts, wenn einem jeder zum Mund redet. Er war sich nicht sicher, ob er diese Aufgabe übernehmen wollte, und ich bin ihm sehr dankbar dafür, dass er das getan hat.
Wir brauchen Reporter und Journalisten wie Jens Lehrich, die versuchen, Menschen zu verbinden und die Wahrheit zu finden. Die mehr an einer Win-win-Situation interessiert sind als an einem Kompromiss, und die ohne Ansehen der Person versuchen, auf Augenhöhe Menschen hinter den Meinungen zu sehen und zu verstehen. Ich wünsche ihm sehr viel Erfolg mit seinem Format.