Skifahren und Lockdown
Im Februar 2020 entschieden wir uns relativ kurzfristig, während unserer Faschingsferien Skiurlaub in einem Hotel in Österreich zu machen. Wir wussten zwar, dass es Skiorte in Italien und auch in Österreich gab, in denen von einer starken Erkältungskrankheit berichtet wurde, aber wir nahmen das Ganze nicht als bedrohlich wahr. Dies lag sicherlich auch daran, dass wir schon seit langer Zeit nicht mehr fernsahen und kein Radio mehr hörten, außer wenn dieser zufällig während einer Autofahrt lief. Selbst in diesem Fall schalteten wir es in der Regel aus. Ich entschied für mich, nach der Philosophie zu leben, die auch die griechischen Stoiker für sich hatten: Dass man sich nicht um Dinge kümmern soll, die man nicht selbst beeinflussen kann. Und wenn es etwas Wichtiges gibt, so wird man das mitbekommen, auch wenn man sich nicht regelmäßig im Fernsehen darüber informiert. Das ist eine Philosophie, die ich sehr empfehlen kann, denn sie entspannt das Leben. Es war, als ich mir Sorgen darüber machte, ob es einen neuen Krieg geben könnte zwischen Donald Trump und Nordkorea. Und ich spürte, dass es mir guttut, die jeden Tag über die Nachrichten oder auch die entsprechenden Internetportale einprasselnden Horrormeldungen zu ignorieren. Eines Morgens fuhr ich meinen Sohn zur Schule. Wir hörten während der Autofahrt wie immer ein Hörbuch und mein Sohn sagte zu mir: „Weißt du, seit wir keine Nachrichten mehr hören, habe ich viel weniger Angst.“ Dies hat ein Kind von sich aus wahrgenommen und in Worte gefasst. Genauso ist es: Wir werden durch den ständigen Konsum der Medien in einer permanenten Angst gehalten und man bombardiert uns mit Schreckensbildern, damit wir uns zum einen schuldig fühlen und zum anderen werden wir so an die Medien gefesselt. Wir sitzen vor dem Bildschirm und warten jeden Abend auf das Happy End, aber es kommt nicht, stattdessen kommt das nächste Horrorszenario. Es ist nicht so wie im Kino, dass ein Film ein Happy End hat – und ich liebe Filme, die ein Happy End haben. Sondern es ist einfach so, dass es von einem auf den nächsten Tag einen neuen Cliffhanger gibt und wir nur noch tiefer in die Angst- und Sorgenspirale hineingezogen werden. Es ist unerheblich, ob es sich dabei um Naturkatastrophen, Kriege oder Krankheiten handelt. Eine Katastrophe wechselt sich mit der nächsten pausenlos ab.
Wir beschlossen also, trotz dieser Erkältungs-Hotspots unseren Urlaub im Skigebiet zu genießen und fuhren nach Österreich. Während
unseres Aufenthaltes im Hotel bekamen wir aber, ob wir wollten oder nicht, immer mehr Kontakt zu den Nachrichten, die über die Ticker und über die Zeitungen hereinkamen, und die Leute unterhielten sich darüber. Man merkte auch, dass die Menschen Angst hatten. Sehr schnell fand man Hände-Desinfektionsmittel am Hoteleingang und im Bereich der Büfetts und ich fing an, mir die Nachrichten und die Zeitungen anzuschauen.

Mechthild und Bodo Schiffmann im Skiurlaub
Irgendwann im Laufe dieses Urlaubs erhielt ich dann von Mitarbeitern meiner Praxis über WhatsApp zwei Filme aus China, wo man sah, dass Menschen einfach so umfielen und angeblich an einer infektiösen Erkrankung starben. Ich sah in meinem Leben als Rettungsdienst-Mitarbeiter, Notarzt und Klinikarzt sehr viele Menschen sterben und weiß, dass diese Menschen sicherlich nicht starben. Es waren Fake-Bilder, die aus meiner Sicht fast etwas Lächerliches hatten. Ich sagte daraufhin meinen Mitarbeitern, sie sollten sich keine Sorgen machen und wenn ich aus dem Skiurlaub zurück sei, würde ich diese Daten analysieren und wir würden sie gemeinsam besprechen.
Ich realisierte zu diesem Zeitpunkt aber noch etwas: Ich merkte, wie viel Fahrt diese Panik aufnahm und es war mir aus irgendeinem Grund klar, dass die Regierungen dieselben Maßnahmen einleiten wollten wie die chinesische Regierung, also einen Lockdown herbeiführen. Ich hatte über dieses Szenario zu dem Zeitpunkt noch mit niemandem gesprochen, aber mir war klar, dass das der Fall sein wird. Ich wies daraufhin auch meine Mitarbeiter an, alle unsere Patienten vorzuziehen, sodass wir die Patienten, die wir normalerweise erst in drei Monaten behandelt hätten, innerhalb von drei Wochen behandeln konnten. Wir arbeiteten quasi die ganze Woche durch und verdoppelten unser Pensum. Das fiel mir schwer. Denn wie bereits erwähnt, war ein gewisser Patienten- und Kundenpuffer ein Ziel, auf das wir lange hingearbeitet hatten. So mussten wir uns keine Sorgen machen, ob wir im nächsten Monat genug Patienten zusammenbekamen, um unsere Ausgaben auch zu decken.
Nach der Rückkehr aus dem Urlaub setzte ich mich an den Computer und fand relativ schnell die Daten der Johns Hopkins Universität und analysierte diese. Es war nicht sehr schwer herauszufinden, wie viele Menschen normalerweise pro Tag in Wuhan starben und wie viele Menschen jetzt starben. Es war ebenso nicht sehr schwer herauszufinden, dass es sich hierbei in Wirklichkeit nicht um eine besorgniserregende Erkrankung, sondern im Grunde genommen um ein relativ normales Geschehen handelte – zumal auch die Heilungsrate sehr hoch war und die Anzahl der schweren Fälle sehr gering.
Zusammenfassend konnte man sagen: Hier würde relativ schnell eine Herdenimmunität entstehen, wenn ich es mit einem Erreger zu tun hatte, der sich sehr schnell ausbreitete, der aber den meisten Menschen nicht schadete und sie nicht töten würde. Mit diesem Wissen machte ich verschiedene grafische Ausarbeitungen und konnte meine Mitarbeiter sehr schnell beruhigen, sodass sie keine Angst mehr hatten, diese Erkrankung würde so schlimm ausfallen, wie es in den Medien transportiert wurde. Es war auf der anderen Seite auch der Startschuss für den Gedanken, dass ich diese Aufklärung auch für andere Menschen machen musste. Denn wenn die Menschen wirklich Angst vor einem Zusammenbruch der Krankenhäuser hätten, dann würde genau diese Angst zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führen. Man stelle sich das vor: In den Wintermonaten hat jemand Erkältungsschwierigkeiten und die Medien warnen davor, dass man es nicht überlebt, wenn man mit Husten, Schnupfen, Heiserkeit
oder Fieber nicht rechtzeitig in ein Krankenhaus kommt. Das war ein unverantwortliches Verhalten der Medien und war tatsächlich dazu geeignet, die Krankenhäuser zu überlasten – und dies ist auch in vielen Ländern, wie zum Beispiel in Spanien, passiert.
Ich sah den Lockdown also vorher und wir waren in der Lage, auch einen finanziellen Puffer für über drei Monate, ohne arbeiten zu müssen, zu schaffen. Ich arbeitete natürlich weiter, hatte aber auf diese Weise einen gewissen Sicherheitsspielraum. Unsere Praxis nahm zu keinem Zeitpunkt staatliche Hilfen in Anspruch, wir bezahlten unsere Mitarbeiter voll, auch wenn weniger Patienten da waren. Es gab in unserer Praxis auch niemals einen Engpass an Handschuhen, Masken oder Ähnlichem, weil wir einfach frühzeitig und ausreichend Vorratshaltung betrieben hatten.
Dies war aber auch der Moment, in dem ich mir dachte, ich muss andere Menschen aus ihrer Angst herausholen, um das Gesundheitswesen und die Menschen zu schützen. Es war mir ein absolutes Rätsel, wie die Medien so unverantwortlich Angst und Panik schüren konnten.