Kapitel 012

Schwindelarzt und Presse

Dr. Bodo Schiffmann2. Auflage · September 2021Originalseiten 69–73
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Ich hatte und habe Freude daran, Interviews zu geben. Für mich ist es ein Spiel. Ich versuche schlagfertig und spontan auf Fragen zu reagieren und zu erkennen, welche Methoden mein Gegenüber benutzt, um eine spezielle Antwort aus mir heraus zu bekommen. Ich durfte viel Erfahrung im Umgang mit Reportern und Fernsehkameras sammeln, als ich mich nur um Schwindelerkrankungen kümmerte. Denn dort wurde ich mehrfach interviewt für Zeitungen oder Radiosendungen oder auch mal für kleinere Fernsehauftritte. Dass mir der Umgang mit Kameras Spaß macht, zeigt sich auch an meinem eigenen Kanal „Alles außer Mainstream“, für den ich ein eigenes kleines Studio habe und verschiedene Formate präsentiere, um aktuelle Fragestellungen zu behandeln, philosophische Fragen zu erörtern oder auch interessante Videos von anderen Produzenten zu übersetzen. Es ist jedes Mal eine Herausforderung, auf Fragen so zu reagieren, dass man nicht anfängt, Füllphrasen zu benutzen oder zu stottern, sondern den Blickkontakt aufrechtzuerhalten, den Sprachstil anzupassen und eventuelle Attacken zu parieren. Es hat etwas von einem Kampfsport. Die Angriffe nahmen natürlich zu, seit ich anfing, mich über Themen zu unterhalten, die nicht dem normalen Narrativ entsprechen. Für mich selbst ist das jedes Mal eine Herausforderung und auch wenn mir viele geraten haben, keine Interviews mehr zu geben, habe ich mich nie davor gescheut, Interviews mit Menschen zu führen, die nicht meiner Meinung waren. Im Gegenteil, ich hielt es sogar für sehr wichtig, und das ein oder andere Mal gelang es mir auch, den Interviewenden zu überzeugen von dem, was ich sagte. Ich erinnere mich an ein französisches Fernsehteam, das bei uns in der Praxis war. Nachdem die Aufnahmen fertig waren, sagte mir der Reporter: „Sie sind ja gar nicht verrückt. Mir wurde gesagt, Sie sind verrückt.“ Das werte ich einmal als Lob und freue mich darüber. Ich lernte sehr unterschiedliche Formate kennen, wurde von vielen Menschen interviewt und habe auch keine Angst, bei solchen Interviews einen Fehler zu machen. Das liegt daran, dass ich mich bemühe, ständig die Wahrheit zu sagen. Denn dann kann ich mich nicht in Widersprüche verwickeln und auch keine Fehler machen. Die Wahrheit ist sowieso ein guter Weg, das ist meine Erfahrung. Ich bin nämlich ein sehr schlechter Lügner. Schon in der Schulzeit war es so. Wenn es zu irgendwelchen Querelen unter Mitschülern kam, war immer ich derjenige, der erwischt wurde. Auch bei Verkehrskontrollen oder ähnlichen Situationen, mich erwischte man eigentlich immer. Ich finde das

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nicht schlimm, weil damit akzeptierte ich einfach für mich, dass ich sowieso erwischt werde, also entschied ich mich dazu, einen geraden Weg zu gehen und möglichst wenig Angriffspunkte zu bieten. Dabei ist die Wahrheit ein guter Berater.

Natürlich sind mir auch Fehler unterlaufen. Natürlich sagte ich auch Sachen, die im Nachhinein betrachtet falsch waren. Ich sagte es nicht, weil ich log, sondern weil ich es nicht besser wusste. Ich habe in den letzten anderthalb Jahren sehr viel lernen müssen und vieles, was für mich vor einem Jahr noch eine Wahrheit war, ist für mich heute eine Lüge, weil sich meine Erkenntnisse änderten, weil sich mein Wissen vertiefte und weil ich immer mehr lernte von anderen Menschen, aus Büchern, aus Berichten, aus eigenen Recherchen. Ich finde es eigentlich nicht schlimm, als Schwindelarzt bezeichnet zu werden, denn es ist tatsächlich das, was ich bin. Ich bin einer der wenigen Experten für Schwindelerkrankungen in Deutschland oder sogar weltweit. Schwindelerkrankungen sind Krankheitsbilder, die sehr komplex sind, die fachübergreifend behandelt werden müssen und die auch verlangen, dass man sich in seinen Patienten hineinversetzt und vor allen Dingen, dass man bereit ist, seinen Patienten zu glauben. Das heißt, man wird keine Erfolge bei der Behandlung von Schwindelpatienten haben, wenn man über einen Patienten ein Urteil spricht, statt ihm einfach nur zu glauben. Das ist ein sehr häufiges Problem: Die Patienten haben Ärzte, die der Meinung sind, sie wüssten schon alles und diese Ärzte glauben ihren Patienten schlicht die Beschwerden nicht. Ich halte das für falsch. Ich denke, ein Patient braucht nicht die Genehmigung seines Arztes, um Schwindel zu haben. Insofern darf man mich gerne einen Schwindelarzt nennen, aber ich bin ein Schwindelarzt, der die Wahrheit spricht, der die Wahrheit sucht und der den Schwindel nur bei seinen Patienten behandelt. Ansonsten ist er der Wahrheit verpflichtet und nutzt dafür jede Möglichkeit, die ihm zur Verfügung steht, um andere zu erreichen.

Ich verstand überhaupt nicht, dass die Presse nicht bereit war, mit mir zu sprechen. Denn eigentlich sind ja Menschen, die eine andere Meinung vertreten als der Mainstream, in Talkshows sehr gefragte Gäste. Da ich ein sehr versiertes Auftreten in Talkshows und vor Kameras habe, konnte ich es nicht nachvollziehen, dass man meine Angebote, die ich den Sendern unterbreitete, einfach ausschlug. Ich wollte dafür kein Geld, ich wusste, dass ich riskierte, nicht ernstgenommen zu werden. Aber ich war bereit, mein Gesicht zu zeigen –

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weil ich wollte, dass Menschen ihre Angst verlieren und weil ich der Politik sagen wollte, dass sie einen Fehler macht. Ich wollte warnen, ich wollte helfen, ich wollte Menschen retten und sie vor Lockdowns, Masken und Impfungen schützen.

Was sich allerdings änderte: Ich wurde vorsichtiger. Das heißt, wenn mich ein Vertreter der Presse gerne interviewen will, so kann er dies tun, solange er das Interview live macht. Dann bin ich zu jedem Interview bereit, auch wenn ich es parallel auf alternativen Medien übertragen darf. Aber insbesondere gehe ich immer sicher und werde dafür sorgen, dass das Interview noch von jemand anderem mit aufgezeichnet wird, um am Ende auch beweisen zu können, wenn Aussagen von mir falsch wiedergegeben oder falsch geschnitten werden. Daher möchte ich das Kapitel mit einer Einladung an Reporter

Abbildung aus dem Buch, Originalseite 71
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Bericht über Bodo Schiffmanns Aufklärungstätigkeit (Rhein-Neckar-Zeitung, 8. Mai 2020)

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und Journalisten beschließen: Ich gebe euch gerne ein Interview, ich beantworte euch gerne alle Fragen, die ihr mir stellt, und zwar ohne Vorbehalte. Ich brauche kein Skript, ich muss es nicht freigeben, aber ich möchte nicht, dass ihr es kürzt, schneidet und am besten ist es, ihr stellt mir die Fragen live. Es gibt keine verbotenen Fragen, aber ein Interview sollte fair sein und dazu gehört es, dass es nicht manipuliert werden kann, weder von mir noch von euch.

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