Kapitel 018

Ich bin ein sehr schlechter Lügner und werde immer ertappt

Dr. Bodo Schiffmann2. Auflage · September 2021Originalseiten 89–92
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Man könnte es als Schwäche sehen, man kann es auch als Stärke sehen. Es war schon in der Kindheit so, dass ich sehr schlecht darin war, meine Eltern oder Großeltern oder Geschwister zu belügen. Im Grunde genommen sieht man es mir immer sofort an der Nasenspitze an, wenn ich versuche, die Unwahrheit zu sagen. Das Gleiche geschah auch in der Schule, in Beziehungen und in meinem Leben allgemein. Als ich das erst einmal erkannte, war es leichter, die Wahrheit zu sagen und auch zur Wahrheit zu stehen, als mich in Lügen zu verstricken. Ich will nicht sagen, dass ich immer „brav“ bin oder dass ich nur aufrechte Sachen mache, aber im Grunde genommen finde ich Wege, Situationen so zu schildern, dass ich dabei nicht lügen muss. Ich machte diese Erfahrung auch in meinem Berufsleben. Denn wenn man als Arzt tätig ist, dann gibt es auch immer wieder einmal eine Situation, in der etwas nicht gut läuft. Es gibt unweigerlich Behandlungsfehler und wenn man operativ tätig ist, geht auch mal etwas schief. Die Versicherungen, die Anwälte und natürlich andere Ärzte empfehlen einem, Sachen schönzureden oder zu verschweigen oder auch zu lügen, aber auf jeden Fall, nicht die Wahrheit zu sagen, keine Schuld anzuerkennen. Man verliert seinen Versicherungsschutz, wenn man eine Schuld anerkennt. Das gilt auch im Straßenverkehr. Warum bringt einen das nicht zum Nachdenken? Warum ist es bei einem Verkehrsunfall, den ich verursachte, nicht so, dass ich einfach sagen kann: „Ich habe diesen Unfall verursacht“? Weil dann die Versicherung gegebenenfalls mehr bezahlen müsste. Aber wofür habe ich dann eine Versicherung? Warum kann man nach einem Fehler bei einer Operation nicht einfach sagen, dass man einen Fehler gemacht hat? Die meisten Schadensersatz-Forderungen gegen Ärzte und die meisten Prozesse gegen Ärzte ziehen sich nur deshalb in die Länge, weil der Patient darauf wartet, dass der Arzt seinen Fehler eingesteht. Jede ärztliche Handlung birgt bekanntlich Risiken und ist von mehreren Faktoren auf der Seite des Arztes, des Patienten und anderer Umstände abhängig. Fällt eines dieser Kriterien anders aus als kalkuliert, kann das Ergebnis der Behandlung anders ausfallen als erwartet und erwünscht. Ich sagte es vielen Patienten, dass die Operation nicht so verlief, wie ich es mir versprochen hatte. Als ich noch nicht so selbstbewusst war, zu den Anfängen meiner Praxiszeit, versuchte ich auch, Fehler zu kaschieren, zu überspielen, auf Zeit zu spielen. Mit zunehmender Erfahrung und mit zunehmendem Alter machte ich

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das nicht mehr. Die Patienten honorierten das. Sie schätzten es und ich hatte dadurch nie einen Nachteil. Ich hatte immer nur dann Nachteile, wenn ich unehrlich war, denn Menschen spüren, wenn man sie belügt, wenn man sie betrügt und wenn man sich herumdrückt.

Warum bekommen wir von früh auf erklärt, dass wir uns nach einem Unfall nicht äußern sollen? Warum ist immer noch der beste Weg, um ein Gerichtsverfahren zu überstehen, die Aussage zu verweigern? Man hat keinen Vorteil, wenn man die Wahrheit sagt. Man hat eher einen Vorteil, wenn man lügt und seine Lüge konsequent durchziehen kann. Aber das Beste ist, und auch das kann man aus Büchern lernen, nichts zu sagen. Denn wenn man nichts sagt, kann es nicht gegen einen verwendet werden.

Eigentlich sollte doch die Wahrheit etwas wert sein? Von einem Richter sollte man erwarten können, dass er objektiv ist, das heißt, dass er nicht ein Urteil fällt, welches schon vorher feststeht. Wir leben im Moment das Gegenteil: Für die Pandemie-Maßnahmen gibt es keinerlei wissenschaftliche Grundlage (und wenn ich sage „keinerlei“, dann meine ich keinerlei), während es eine erdrückende Anzahl an wissenschaftlichen Arbeiten gibt, die belegen, dass sämtliche Maßnahmen schädlich und falsch sind. Es gibt noch nicht einmal einen Nachweis für eine Pandemie. Auch dies ist keine Verschwörungstheorie, dies ist die Realität. Aber selbst, wenn diese Aussage falsch wäre und es tatsächlich eine tödliche Pandemie gäbe, wäre der Richter verpflichtet, sich beide Seiten anzuhören und sich die vorgebrachten Argumente anzuschauen. Die Richter haben eine Kontrollfunktion im Staat und es ist nicht ihre Aufgabe, staatliche Maßnahmen umzusetzen. Warum trägt Justitia eine Augenbinde? Sie soll ohne Ansehen der Person richten, aber sie hat die Fähigkeit verloren zu merken, wenn jemand ihre Waage manipuliert. Sie ist jetzt zu lange blind gewesen. Sie muss anfangen zu sehen, und sie sollte dringend ihre Waage zur Reparatur bringen. In Deutschland werden Richter kriminalisiert, die Entscheidungen treffen, die nicht mit den Vorgaben des Staates übereinstimmen. Während ich das diktiere, findet eine Hausdurchsuchung bei einem Richter und einer Anwältin statt. Es werden Akten beschlagnahmt, obwohl dies eine Beweisvereitelung und Strafvereitelung im Amt ist. Solche Vorgänge gab es das letzte Mal nach 1938. Noch nicht einmal in der DDR und schon gar nicht in der bisherigen BRD gab es seit 1948 solche Vorgänge.

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Es tut weh, zu lügen und es tut weh, angelogen zu werden. Ich kenne niemanden, der angelogen werden will, aber ich kenne viele, die lügen. Wie wäre es denn zur Abwechslung mal mit der Wahrheit? Wie wäre es denn, wenn wir aufhören würden zu lügen? Wie wäre es denn, wenn wir für Fehler einstünden? Es wäre ein Neuanfang.

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