Ein Buch über mich – warum ich bin, wie ich bin
Ich wünschte mir, ich wäre auch nur ein bisschen so gelassen und entspannt, wie meine Mutter es war. Wir Kinder hatten eigentlich keinerlei Einschränkungen und waren fast nur draußen unterwegs. Ich hatte das Glück, dass ich eine sehr enge Beziehung auch zu meinen Großeltern mütterlicherseits hatte und in einer Zeit groß wurde, wo das Fernsehprogramm nur zu einer gewissen Zeit für Kinder geeignet war und über Nacht gar keines lief. Es gab bei uns im Grunde genommen nur eine Regel und diese Regel war: Wenn es dunkel wird, kommst du nach Hause. Es gab keine Möglichkeit, mein Handy zu orten. Es gab keine Möglichkeit, mich zwischendurch anzurufen.
In unserer Umgebung war ein großer Wald, der direkt an das Militärübungsgelände der amerikanischen Armee grenzte, und dort konnte man als Kind und Jugendlicher spannende Abenteuer erleben. Ich war auch bei den Pfadfindern sehr aktiv und auf vielen Zeltlagern, lernte dort, wie man in der Natur überlebt, welche Pflanzen und Tiere man essen kann. Das alles nutzte ich sehr. Wir kannten den Wald wie unsere Westentasche und kletterten auf Bäume, ohne große Schutzausrüstung, bauten im Wald Hütten, gruben Gräben und erlebten Abenteuer. Man kann sich sehr gut vorstellen, dass, wenn die Regel so aussieht, dass man erst bei Anbruch der Dunkelheit nach Hause kommen muss, im Sommer die Tage mitunter sehr lang waren.
Im Gegensatz zu meinen Kindern brachte ich viele Platzwunden nach Hause, die chirurgisch versorgt werden mussten, hatte ständig irgendwelche Schürfwunden oder Beulen am Kopf. Das Leben war ein Abenteuer. Meine gesamte Kindheit und Jugend waren von Freiheit und Selbstbestimmung geprägt.
Meine Großeltern und meine Eltern hatten den zweiten Weltkrieg noch erlebt und gegen Adolf Hitler gekämpft. Sie mussten im Laufe des Krieges zweimal fliehen und hatten alles zurückgelassen. Sehr oft erzählten sie mir davon, und mein Großvater schrieb sogar ein Tagebuch darüber, in über vierzig oder mehr Bänden. Wir lernten die Geschichte aus einer anderen Perspektive kennen.
Der Keller in unserem Haus in Lampertheim sah immer so aus wie ein Großhandelslager. Dort gab es Fleisch von der Einfuhr- und Vor
ratsstelle, Buttervorräte, kistenweise Zigaretten, Schnaps und Schokolade, um diese, im Falle einer Katastrophe oder eines Krieges, als Tauschobjekte am Schwarzmarkt benutzen zu können. Heutzutage würde man unsere Familie als „Prepper“ bezeichnen. Ich lernte, wie man Vorratshaltung macht, und ich lernte, dass man Propaganda frühzeitig erkennen muss, um vielleicht etwas dagegen tun zu können. Bei uns war das ein ständiges Thema. Schon als Kind erklärte man uns, dass es ein Alarmsignal für einen totalitären Staat darstellt, wenn fremde Meinungen unterdrückt werden oder Zensur stattfindet. Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich sehr früh erkannte, in welche Richtung die Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland geht. Und da meine Großeltern mir gesagt haben, dass ich in diesem Moment erster Alarmsignale anfangen müsse, für die Freiheit zu kämpfen, habe ich das auch getan.
Freiheit und insbesondere Meinungsfreiheit sind keine Selbstverständlichkeiten, die man einfach erwarten kann, sondern man muss immer und jeden Tag für sie geradestehen, sie beschützen und ihre Daseinsberechtigung erkämpfen. Für jeden Staat ist es von großem Interesse, seine Bürger zu kontrollieren. Ich finde es sehr gut, dass wir damals in der Schule das Buch „1984“ von George Orwell lesen mussten und ich las es, obwohl es eine Pflichtlektüre war, deutlich mehr als einmal, so fasziniert war ich von den Vorgängen, die dort beschrieben wurden. Ich hörte Musik, die mich zum Nachdenken brachte, wie „The Wall“ von Pink Floyd, und sah den beeindruckenden Film mehr als dreißigmal.
Wir wurden sehr oft gewarnt, von Visionären, von Autoren, von klugen Menschen, die Entwicklungen vorausgesehen haben. Manchmal frage ich mich, ob es sich dabei nicht um Zeitreisende handeln könnte. Denn wenn ich mir die heutige Zeit so anschaue, dann ist so vieles eins zu eins eingetroffen, wie sie es vorhergesagt hatten. Vielleicht machten sie aber auch – ohne es zu wollen – das Ganze erst möglich, weil sie damit die Steilvorlage für Menschen lieferten, denen die Freiheit des Individuums nichts bedeutet und die sich gerne in der Rolle eines Kolonialherren sehen, für den die anderen arbeiten. Wie ein Besitzer einer Plantage, der sich gegenüber anderen rühmt, wie gut er zu seinen Sklaven ist und wie gut es ihnen doch geht. So benehmen sich heute Industrielle, Reiche und Banken und versuchen, die Menschheit in eine sehr vergleichbare Struktur zu pressen.
Auch in meiner Schulzeit und meinem Studium war ich immer auffällig. Auffällig dahingehend, dass ich mich für andere engagierte. In der Schulzeit nahm ich aktiv an den Schülervertretungen teil und ließ mich auch in die Mittelstufen- und Oberstufengremien der Schülervertretung wählen.
Ich liebte das und scheute es auch nie, mich mit Lehrern oder Schulleitungen „anzulegen“, denn die Empfindung, dass jemand anderem ein Unrecht zugefügt wird, ist für mich unerträglich. Ich versuchte in diesen Momenten immer, mich schützend vor andere zu stellen und für Gerechtigkeit zu sorgen. Es ist immer die Frage, was Gerechtigkeit eigentlich ist, denn diese liegt, wie wir ja alle wissen, im Auge des Betrachters.
Um noch einmal zum Anfang zurückzukommen: Ich wundere mich über die Gelassenheit meiner Eltern, denn ich war mit Sicherheit ein schwieriges Kind. Heute würde man mich als hyperaktiv bezeichnen oder man würde mir die Diagnose ADHS geben. Zu meinem großen Glück war diese Diagnose damals noch nicht bekannt und ich war einfach ein Energiebündel oder eine Nervensäge.
Mein Vater hatte mir zum Beispiel verboten, einen Mofa-Führerschein zu machen. Was dazu führte, dass ich mir ein Mofa kaufte – für damals 50 DM, die ich mir mit Zeitungsaustragen verdient hatte. Es war die Zeit, in der der Mofa-Führerschein eingeführt wurde. Ich fuhr also von Worms aus mit dem selbst gekauften Mofa zum TÜV in Grünstadt, stellte das Mofa dort vor der Tür ab, legte drinnen den Führerschein ab und fuhr mit Führerschein zurück nach Worms und dann natürlich weiter nach Hause in Lampertheim. Dort präsentierte ich meinen Eltern den Führerschein und mein Mofa. Ähnliches gilt für den Führerschein für das Leichtkraftrad oder das Motorrad. Mir war es immer wichtig, mein eigenes Ding komplett durchzuziehen, ganz egal, was andere darüber denken oder sagen. Mein Vater drohte durchaus mit Strafen, die mich aber eher dazu brachten, es jetzt erst recht zu machen.
Mein Opa hingegen hatte eine andere Vorgehensweise: Er besorgte mir ein Buch, welches ein Polizeibeamter geschrieben hatte. Der Titel lautete: Motorrad fahren ja – aber überleben. Ich las dieses Buch, lernte und nahm es in mich auf, sodass ich mich nie ernsthaft verletzte, obwohl ich bis zu meiner Hochzeit fast ausschließlich Motorrad fuhr.
Natürlich hatte ich den ein oder anderen Unfall, aber ich glaube, dieses Buch half mir, die Unfälle schadenfrei zu überstehen. Meine Großeltern unterstützten mich dann auch, indem sie mir Schutzkleidung kauften und sich vermutlich dachten: „Wir können den Kerl sowieso nicht davon abhalten, dass er Motorrad fährt, also schauen wir, dass wir ihm möglichst gute Kleidung geben, damit er bei einem Sturz keine großen Schäden davonträgt.“ Ich glaube das ist eine sehr kluge Art, an Dinge heranzugehen. Verbote bringen selten irgendetwas, sondern es ist besser zu versuchen, eine gemeinsame Lösung zu finden. Ich würde das als meine erste Win-win-Situation bezeichnen.
Meine Großeltern akzeptierten, dass Motorradfahren für mich sehr wichtig ist. Sie machten sich Sorgen um mich – genauso wie mein Vater und meine Eltern. Sie fanden aber eine neue Lösung, wie sie selbst ein besseres Sicherheitsgefühl kriegen konnten und ich nicht eingeschränkt wurde – und ich selbst verstand, dass es Sinn macht, sich zu schützen. Ich würde mich selbst als vorsichtigen Menschen einschätzen, ich beobachte Situationen sehr genau und bin auch in der Lage, Einschätzungen zu treffen.
Es gab damals ein wundervolles Taschenbuch mit Donald Duck aus der lustigen Taschenbuch-Serie. Dieses Taschenbuch, ich glaube, es war die Nummer 142, war das Taschenbuch von Phantomias, wo sich Donald Duck in einen Superhelden verwandelt, als er zufällig ein Haus im Wald findet und dort einen Geheimraum entdeckt. In diesem Taschenbuch gab es ein Bild, in dem Donald Duck an Daniel Düsentrieb vorbeigeht und eine Art Denkroboter gibt folgende Weisheit von sich: „Wenn du deine Widersacher nicht besiegen kannst, musst du dich mit ihnen verbinden. Du musst mit den Wölfen heulen, nur lauter.“
Für mich ist das tiefe Philosophie und ich machte sehr häufig genau das: Ich versetzte mich in die Lage meiner Gegner, ich kopierte ihr Spiel, ich trieb ihr Spiel auf die Spitze. Das tat ich auch im Laufe meiner Aufklärungsarbeit in Bezug auf die Coronakrise regelmäßig und konnte dadurch einige bemerkenswerte Fortschritte erzielen. Als Beispiel nenne ich hier einmal, die Ignoranz der Presse zu durchbrechen, indem ich Parteien gründete. Der Gründung der Parteien und warum ich diese wieder verließ, widme ich ein eigenes Kapitel, denn es ist zu komplex, um das hier mit einfließen zu lassen.
Meine Familie, meine Eltern, meine Großeltern waren immer für mich da. Sie stellten sich vor mich und beschützten mich immer, sie verteidigten meine Meinung auch, wenn Lehrer, Schulleiter oder Autoritäten meine Meinung nicht teilten. Natürlich hatten wir Streitgespräche, natürlich waren meine Meinungen keineswegs immer richtig. Aber zunächst einmal wurde ich immer beschützt und ich konnte mich darauf verlassen, dass meine Familie sowohl hinter wie auch vor mir stand.
Genauso versuche ich mit Menschen zu agieren, die mir wichtig sind. Aber ich sehe mich auch dazu verpflichtet, Menschen zu schützen, die ich nicht kenne oder die ich noch nicht kennenlernen durfte. Deswegen war es mir auch ein Anliegen, meine Bekanntheit zu nutzen, um Menschen aus der Angst zu holen, als es im Februar 2020 zu Schreckensmeldungen über eine neue und tödliche Erkrankung kam. Auch hierzu erzähle ich euch etwas in dem Kapitel über das erste Video am 14. März 2020.
Ich möchte mich bei allen bedanken, die sich für meine Geschichte interessieren und die mich näher kennenlernen möchten. Es wurde sehr viel über mich berichtet, sowohl im Internet wie in Zeitungen als auch im Fernsehen oder Radio. Ich möchte nicht, dass andere meine Geschichte aufschreiben. Ich möchte nicht, dass andere glauben, sie würden mich kennen. Manchmal weiß ich selbst nicht, ob ich mich kenne. Aber ich glaube, es ist das Beste, wenn jemand über sich selbst schreibt, wie er sich selbst sieht und wie er sein eigenes Leben empfindet.
Diese Veränderungen, diese Emotionen, die in den letzten Monaten entstanden, möchte ich gerne mit euch teilen, damit ihr mich kennenlernt und mich vielleicht versteht.
Ich bin kein Held, ich bin kein Revoluzzer und ich bin kein Anarchist. Ich bin gläubiger Christ, analytisch denkender Arzt, Wahrheit suchender Philosoph und das Wichtigste: Ich bin ein liebender Vater und liebender Ehemann. Ein Teil der Menschheitsfamilie, die man nicht in Religionen und Hautfarben unterteilen kann.

Ich wünsche euch viel Spaß dabei, mich kennenzulernen.