Warum mich die Munkeltmänner und Björn Banane vielleicht gerettet haben
Die bekannteste und legendärste Auseinandersetzung mit der Polizei im Rahmen der Coronainfo-Tour war die versuchte Einreise nach Mecklenburg-Vorpommern. Unser Bus wurde direkt an der Ortseinfahrt von sehr vernünftigen Polizisten angehalten. Man teilte uns mit, wir dürften nicht einfahren, obwohl wir dort eine genehmigte Demonstration hatten. Das Ganze begründete man mit dem für das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern geltenden Einreiseverbot. Das muss man sich noch einmal auf der Zunge zergehen lassen. Wir haben in Deutschland eine garantierte Freizügigkeit. Wolfgang Greulich besitzt eine Wohnung in Mecklenburg-Vorpommern. Wir wollten uns dort mit Menschen treffen, hatten einen Termin und eine Demonstration dort. Wir mussten in kein Hotel, sondern waren durch unseren Reisebus ja autark, benötigten lediglich eine Steckdose.
Auf der anderen Seite hatten wir einen Busfahrer, der an Lenkzeiten gebunden war, die er nicht überschreiten durfte. Nun hielt man uns an der Ortseinfahrt eines kleinen Dorfes an und ließ uns nicht zu unserer genehmigten Demonstration fahren. Nach langen Diskussionen hätte man uns zwar eine Durchfahrt erlaubt, aber wir hätten nicht zu unserer Demonstration gehen dürfen, ein Verstoß gegen das Demonstrationsrecht. Auch gestand man uns nicht zu, eine Beschwerde direkt vor Gericht in Schwerin vorzubringen. Ralf Ludwig diskutierte in gewohnter Art und Weise alle erforderlichen Paragrafen ausführlich mit den anwesenden Polizeibeamten, am Ende bekamen wir es mit dem leitenden Polizisten zu tun, einem Herrn Rusch. Herr Rusch verstieß in Serie gegen mehrere Gesetze, wissentlich, denn er wurde jedes Mal von Rechtsanwalt Ralf Ludwig vor 90.000 Zuschauern darauf hingewiesen. Zeugen gibt es genug. Am Ende drohte er sogar unmittelbare Gewalt an. Dieser Polizeibeamte sah die Begründung als ausreichend, dass es seine Rechtsauffassung war, um jede Maßnahme durchzusetzen, auch wenn sie eigentlich unbegründet war. Dass wir im Recht waren, zeigte sich in dem Verfahren, das am Abend des nächsten Tages entschieden wurde. Um die Lenkzeit nicht weiter zu strapazieren, konnten wir unseren Bus in einer Halle eines ortsansässigen Unternehmers unterstellen. Auch hier wurden wir weiter von der Polizei belästigt, obwohl wir uns auf Privatgrund befanden und kein Durchsuchungsbeschluss vorlag. Zudem wurde der Fahrtenschreiber des
Busses ausgelesen, ob irgendwelche Verstöße gegen die Lenkzeiten erkennbar waren. Wir warteten auf ein Gerichtsurteil und wurden einen gesamten Tag auf diesem Gelände festgesetzt. Die wichtigste Nachricht, die wir in diesem Fabrikgelände auf einem Schild an der Wand lasen, war sicherlich: „Einen Scheißdreck muss ich.“ Hier waren wir bei Freunden.
Das gesamte Gelände wurde von einer Polizei-Hundertschaft umstellt. Im Laufe des Tages wurden wir von der Polizei dann häufiger sehr höflich behandelt. Am Abend kamen dann auf einmal Polizisten (begleitet von einem sehr großen Aufgebot in Kampfmontur) zu uns und gaben an, dass sie noch nichts gehört hätten. Sie hätten uns aus dem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern nach Neubrandenburg bringen sollen (wofür sie einen Beschluss dabeihatten). Dieser Beschluss hätte aber auch vorgesehen, dass wir freiwillig dorthin reisen hätten können. Man gab uns aber nicht die Möglichkeit, sondern sagte, wir würden das sowieso nicht tun. Also mussten wir unsere Taschen entleeren, wurden durchsucht und in ein Polizeiauto verbracht. Anschließend wurden wir mit einem Polizeikonvoi in die Dämmerung hinein über vollständig gesperrte Straßen mit Sonderrechten bis nach Neubrandenburg gefahren. Unser Buslenker fuhr alleine mit dem Tourbus, vorne und hinten von je einem Polizeiauto bewacht, am Ende des Konvois.
Was jetzt passierte, war wie aus einem schlechten Krimi: Der gesamte Konvoi fuhr auf einen leeren Bahnhof. Weit und breit kein Mensch, alles schon ziemlich dunkel. Man hätte uns hier unbemerkt erschießen können, ich weiß nicht, ob das nicht das Vorhaben war. Unser Glück: uns waren zwei Privatfahrzeuge gefolgt, einmal besetzt mit zwei Reportern, einmal mit einem Musiker und es waren Reporter von einem großen Mainstream-Magazin vor Ort, dankenswerterweise. Diese waren auch am Auto zugegen, als meinem Rechtsanwalt Ludwig sein Handy abgenommen wurde. Obwohl sich dieser noch einmal als Anwalt, als Geheimnisträger, auswies, kein richterlicher Beschluss dafür vorlag und er Widerspruch eingelegt hatte, wurde sein Handy konfisziert. Nachdem zwei verschiedene Reporter und ein Musiker zusätzlich zu uns an diesem toten Bahnhof anwesend waren, ließ uns die Polizei dort allein im Dunkeln stehen, bis auf ein Auto, das in weiterer Entfernung geparkt wurde.

Das Ziel des Polizeikonvois, ein leerer Bahnhof
Hier standen wir mit unserem Bus. Unser Busfahrer traute sich nicht mehr, in das Bundesland einzufahren, weil man ihm sagte, man würde sonst seinen Bus beschlagnahmen. Die Polizei war kaum weg, als wir per Fax den Gerichtsbeschluss bekamen, dass wir sehr wohl nach Mecklenburg-Vorpommern einreisen durften und dass diese gesamte Maßnahme unrechtmäßig war. Trotzdem konnten wir unseren Busfahrer nicht mehr dazu bewegen, denn er war verängstigt und auch der Veranstalter, von dem wir den Bus bekommen hatten, stimmte einer Weiterfahrt nicht zu.
Okay, dachten sich Ralf und ich, dann fahren wir doch einfach mit den Privatleuten, die uns gefolgt waren, nach Schwerin. Wir sind also in das Auto eingestiegen von zwei Herren, die wir bis zu diesem Zeitpunkt nicht kannten, und haben sie gebeten, nach Schwerin zu fahren. Hinter unserem Auto war ein Partysänger aus Mallorca, der auch eine komplette Verstärkeranlage an Bord hatte und den Künstlernamen Björn Banane trug. Ich bin relativ sicher, dass die Situation an diesem Bahnhof anders ausgegangen wäre, wären nicht zufällig unerwünschte Beobachter dazugestoßen. Das Ganze sah sehr inszeniert aus und weit und breit hätte uns niemand mehr gefunden. Ich saß jedenfalls auf der Rückbank dieses Autos und rief meine Frau
mit meinem Reservehandy an, um ihr mitzuteilen, dass es mir gut ging, denn sie hatte seit dem Morgen nichts mehr von uns gehört und wusste auch nicht, dass wir verhaftet worden waren. Sie machte sich verständlicherweise Sorgen und ich erzählte ihr, dass wir jetzt wieder nach Schwerin fuhren, also nach Mecklenburg-Vorpommern rein, was nicht sehr zu ihrer Beruhigung beitrug. Ich sagte: „Mach dir keine Sorgen: vor mir sind die Munkeltmänner und hinter mir Björn Banane.“ Meine Frau fragte mich, wer denn bitte die Munkeltmänner seien und ich fragte daraufhin unseren Fahrer und Beifahrer, wer sie eigentlich waren, denn bis zu dem Zeitpunkt wusste ich nur, dass sie die Munkeltmänner sind.

Bodo Schiffmann und Ralf Ludwig im Auto der Munkeltmänner (im Auto dahinter Björn Banane)
Ich würde euch empfehlen, einfach mal die Internetseite zu besuchen auf munkeltman.de. Und ihr könnt euch ein Bild machen, wer sich dahinter verbirgt. Es handelt sich um die nächste Generation Journalisten, von denen wir mittlerweile viele hervorgebracht haben. Nachdem die hauptberuflichen Reporter vergaßen, wofür sie überhaupt existieren, entdeckten viele andere journalistisches Talent und machten ein eigenes Format auf. 5 Minuten später bekam ich eine WhatsApp- oder Telegram-Nachricht mit dem Text „echt jetzt?“ Und einem Video von Björn Banane mit dem Lied Biergit.
Es war großartig. Wir kamen in der Nacht in Schwerin an eine Demo, ohne die Kontrolle von irgendwelchen Auflagen, mit viel mehr Teilnehmern, als wir sie je zusammengekriegt hätten, und es war ein Fest. Im Grunde muss man den sinnlosen Aktionen der Polizei dankbar sein. Jedes Mal, wenn sie versuchten, uns besonders zu stören, wurde daraus ein großer Erfolg. Immer, wenn sie uns in Ruhe ließen, zogen wir unser Programm ab und sind wieder verschwunden. Alle Polizeiaktionen bewirkten genau das Gegenteil, und insbesondere waren sie schlecht für das vermeintliche Infektionsgeschehen, das freilich nie vorgelegen hatte.
Ralf Ludwig und ich haben Björn übrigens versprochen, mit ihm zusammen in Mallorca zu singen. Wir freuen uns drauf, unsere Zusage gilt.