Kapitel 002

Wenn mir das einer 2019 erzählt hätte ...

Dr. Bodo Schiffmann2. Auflage · September 2021Originalseiten 26–31
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Ich schreibe dieses Buch Ende Juni 2021. Innerhalb der letzten anderthalb Jahre musste ich sehr viel Neues erfahren, lernen, erkennen, was ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht hätte vorstellen können. Zwar stellte ich in meiner Arbeit in der Schwindelambulanz in Sinsheim fest, dass sehr vieles, was in den Lehrbüchern steht, nicht der Realität entspricht – und ich muss noch lernen, wie schwer es ist, mit anderen Ärzten zu sprechen, wenn die eigene Meinung der Lehrmeinung widerspricht. Ich maß dem früher keine große Bedeutung zu. Denn ich hatte Erfolg mit dem, was ich tat und konnte meinen Patienten helfen. Ich hielt es einfach für Ignoranz und dachte nicht, dass dies ein generelles Problem in der Medizin ist.

Es gibt einen alten Witz, der heißt: Sage einem Handwerker, er soll das Telefonbuch von Frankfurt auswendig lernen und er wird dir sagen: „Warum sollte ich das tun?“ Sage einem Medizinstudenten, er solle das Telefonbuch von Frankfurt auswendig lernen und er wird dich fragen: „Bis wann?“

Es ist leider kein Witz. Denn um das Medizinstudium zu bestehen, ist es am vorteilhaftesten, wenn man nicht selbst denkt, sondern einfach geschriebenes Wissen reproduziert und es als gegeben hinnimmt. Wenn man das mit Abstand betrachtet, ist es natürlich falsch, aber da es jeder tut, macht man es selbst auch. Auch wenn einem manches im Laufe des Studiums unsinnig oder falsch vorkommt, fühlt man sich doch sehr klein gegenüber den Professoren, Oberärzten und Chefärzten. Man bekommt eine Hierarchie gepredigt und übernimmt diese, da man ansonsten keine Chance hat, eine Stelle zu bekommen oder eine Position zu bekleiden.

Ich wählte den Titel meines Buches „vom Schwindelarzt“, weil mich die Presse auch so bezeichnet und das Wort benutzt, um mich zu diskreditieren, „zum Verschwörungs-Sachverständigen“, weil ich selbst lernte, dass Dinge, die ich selbst für Verschwörungstheorien hielt, mehr Realität sind, als Dinge, die ich für real hielt. Das größte Phänomen im Jahr 2020 ist sicherlich, dass die Verschwörungstheorien immer weniger wurden, weil sie sich letztendlich als Realität herausstellten. Interessanterweise wurde dies sogar in den gängigen Medien berichtet, aber die Menschen nahmen es nicht zur Kenntnis.

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Man hielt weiter das Narrativ vom Verschwörungs-Theoretiker aufrecht und die Menschen folgten diesem Schimpfwort, ohne zu schauen, was die als Verschwörungs-Theoretiker titulierten Menschen zu sagen haben. Ich lernte sehr viele sehr kluge Menschen kennen, die sehr differenziert und analytisch das infrage stellten, was ich als Wahrheit lernte. Der Versuch, sie zu widerlegen und meine eigene Wahrheit zu bestätigen, scheiterte. Auf eine ähnliche Art und Weise erging es mir, als ich die Zahlen vom Robert Koch-Institut in den Medien sah und in den bekannten Grafiken im Internet, und jeden Tag aufs Neue versuchte, Bestätigungen dafür zu finden, dass das Robert Koch-Institut richtig lag. Es gelang mir nicht, die Position des RKI zu verifizieren, aber es gelang mir jeden Tag aufs Neue, die Lügen sichtbar zu machen, die benutzt wurden, um die Menschen in ihrer Angst gefangen zu halten. Es ist sehr bezeichnend, dass der Leiter des Propagandaministeriums der Nationalsozialisten, Hermann Göbbels, im Rahmen der Nürnberger Prozesse aussagte, dass man keine Ideologien benötige, um Menschen zu kontrollieren, sondern man müsse sie nur in Angst versetzen und könne alles mit ihnen machen, was man wolle.

Diese Phänomene sind bekannt, sind erforscht, und wir haben sie auch in der Schule besprochen. Es ist mir ein Rätsel, warum so wenige Menschen erkannten, dass hier eine gezielte Manipulation über Bilder und über die Medien inszeniert wurde. Es erschreckt mich, wie einfach akzeptiert wurde, dass Meinungen nicht mehr zugelassen wurden, wenn sie nicht der offiziellen Meinung der Regierung entsprachen. Was regten wir uns auf über andere Länder, in denen die Meinungsfreiheit unterdrückt wird und in denen Zensur herrscht. Auch hier musste ich im letzten Jahr lernen, dass es kaum ein Land gibt, in dem mehr zensiert wird als in Deutschland.

Wenn mir das einer 2019 erzählt hätte, all das, was ich heute von mir gebe, dann würde ich sagen: „Dieser Arzt aus Sinsheim hat den Verstand verloren, denn er zweifelt die Realitäten an und er benimmt sich verantwortungslos.“ Ich hätte das geglaubt, wenn es im Radio oder im Fernsehen gekommen wäre und hätte mit dem Kopf geschüttelt. Aber ich weiß auch, wenn er mein Freund gewesen wäre oder wenn ich eine hohe Meinung von ihm gehabt hätte, dass ich das Gespräch mit ihm gesucht hätte oder mir einfach mal angehört hätte, was er zu sagen hat. Wenn ein Arzt, dem ich vertraute, der mich oder meine Kinder vielleicht

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operiert hatte, der mich von meinen Schwindelbeschwerden geheilt hatte, auf einmal kritische Fragen stellte und Zahlen anders interpretierte, als es die Nachrichten tun, dann hätte ich versucht, seine Gedankengänge nachzuvollziehen, bevor ich gesagt hätte, dass er verrückt sei.

Ich drückte mich am Anfang sehr vorsichtig aus und sah bei weitem nicht, wie weit diese Verstrickungen gehen. Ich versuchte, gemäßigt und ruhig Menschen aus ihrer Angst zu holen. Für mich war der größte Trigger die Angst der Menschen und ich war immer der Meinung, man sollte etwas gegen Angst tun, und gegen Angst hilft Wahrheit, Ruhe und Gelassenheit. Erst im Laufe der Zeit musste ich lernen, dass es nötig ist, deutliche Worte zu finden und Vergleiche anzustellen, vor denen andere Menschen sich drücken. Weil sie Angst davor haben, dass man sie für radikal hält oder dass man sie juristisch verfolgt. Nun, in was für einem Land leben wir, wenn man Angst haben muss, seine Meinung zu sagen, wenn man diese Meinung sogar begründen kann. Ich legte von Anfang an darauf Wert, möglichst solide und wissenschaftlich zu arbeiten und Fakten zu präsentieren. Ich hätte 2019 niemals für möglich gehalten, dass man dafür verurteilt wird, wenn man helfen will, wenn man sein medizinisches Know-how zur Verfügung stellt, um eine Gefahrensituation richtig einzuschätzen. Die Hauptprotagonisten der Covid-19-Erkrankung sind dieselben Akteure wie bei der Schweinegrippe 2009 oder bei der Vogelgrippe oder bei SARS. Manchmal drängt sich der Vergleich auf, dass ein Chirurg zu seinem Patienten sagt: „Ich werde Sie morgen am Blinddarm operieren. Ich habe das schon fünfmal gemacht und einmal muss es ja auch klappen.“ So ähnlich kommt mir das Verhalten von Christian Drosten vor.

Auch was die Politik in der Welt angeht, Wahlbetrug, Framing, QAnons oder WhiteHeads, Kabale und Geheimarmeen, war ich völlig unbedarft. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass es in einem freien Land wie in Amerika einen so offensichtlichen Wahlbetrug geben könnte. Es ist dabei unerheblich, ob es sich um Donald Trump handelt oder nicht. Es handelt sich um ein freies demokratisches Land und um eine stümperhaft manipulierte Wahl. Das ist schon fast eine intellektuelle Beleidigung. Aber ich musste auch am eigenen Leib erfahren, wie schnell man vom international angesehenen Arzt mit einer der bestgehenden Arztpraxen zum Kriminellen diffamiert wird, weil man nichts weiter machte, als wissenschaftlich zu arbeiten und Menschen

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zu helfen, damit diese keine unsinnigen medizinischen Maßnahmen über sich ergehen lassen müssen. Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass der Staat nach 81.000 Patienten-Akten greift und sich nicht dafür interessiert, dass es eine ärztliche Schweigepflicht gibt. Nicht im Traum hätte ich mir ausmalen können, dass die ärztlichen Berufsverbände auf einmal zu politischen Erfüllungsgehilfen eines korrupten Staates werden. Ich war immer stolz auf meinen Beruf und nahm die ärztliche Schweigepflicht sehr ernst – und ich habe das Wohl der Patienten über mein eigenes gestellt. Ich glaube auch, dass das richtig ist.

Abbildung aus dem Buch, Originalseite 29
Originalseite 29 · Zum Vergrößern auf das Bild klicken

Bodo Schiffmann bei einer Kundgebung der Coronainfo-Tour

Wenn mir das, was ich heute weiß, 2019 einer erzählt hätte, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Ich hätte ihn für einen Spinner gehalten. Ich erinnere mich noch an mein erstes Interview mit Roger Bittel. Er erzählte mir am Telefon viele Verschwörungstheorien und ich hatte mich zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit diesen Themen beschäftigt. Ich dachte mir: Okay, ich spreche mit dir über die Zahlen von Corona, aber lass mich bitte mit deinen Theorien in Ruhe, denn das ist keine

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Realität. Mittlerweile hat es sich umgedreht: Ich habe mehr Zugang zu sogenannten Verschwörungstheorien bekommen als viele andere und habe tiefer in den Kaninchenbau hineingesehen.

Wenn ich Ende 2019 die Entwicklungen vorhersehen hätte können, dann hätte ich genauso gehandelt wie heute, nur, ich hätte viel schneller viel deutlichere Worte gefunden, um zu Zeiten, als die Zensur noch nicht so stark griff wie jetzt, schon mehr Menschen zu erreichen.

Ich erreichte viele Menschen und sie sind auch die Grundlage unserer Widerstandsbewegung. Es fühlt sich komisch an, in einem Land wie Deutschland zu sagen, dass man im Widerstand ist. Aber Menschen, die eine eigene Meinung haben, werden verfolgt, sie werden lächerlich gemacht und man versucht, ihnen, wo man nur kann, das Leben schwer zu machen. Dennoch würde meine Entscheidung für die Wahrheit, für die Freiheit und für die Demokratie wieder genauso ausfallen, wie sie jetzt ausgefallen ist. Ich könnte gar nicht anders handeln.

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