Kapitel 029

Luxuswiderstand

Dr. Bodo Schiffmann2. Auflage · September 2021Originalseiten 131–133
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Gerade die Coronainfo-Tour wurde von vielen sehr kritisch verfolgt, weil man nicht verstehen konnte, dass wir uns so einen teuren Bus, wie ihn normalerweise Rockstars benutzen, leisteten, um damit durch die Lande zu ziehen. Auch am 29. August wurde mir oft vorgeworfen, dass ich für meine Frau und mich ein Zimmer im Hotel Adlon in Berlin gebucht hatte. Auch an meinem Geburtstag beschwerten sich Menschen darüber, wie ich ihn in einem teuren Hotel in der Schweiz feiern könnte. Ich beantwortete das immer sehr offen und möchte das auch hier tun. Ich lebte in meinem Leben im Zelt, in der Jugendherberge und auch in sehr guten Hotels. Aktuell ist es für mich und auch für meine Frau sicherer, in gute Hotels zu gehen, wenn ich ruhig schlafen möchte. Der Vorteil ab einer gewissen Preisklasse ist, dass die Identität der Gäste einen sehr hohen Schutz genießt. Außerdem sind auch die Sicherheitsmaßnahmen in Bezug auf die Zimmer erheblich besser. In Berlin ist die Entscheidung für ein Hotel direkt am Brandenburger Tor auf das Adlon gefallen, weil dort zum Beispiel im Gegensatz zum Hyatt kein Wert auf Masken gelegt wurde. Masken waren eine Empfehlung, keine Pflicht. Dazu kam, dass man mich nicht mehr effektiv daran hindern konnte, an der Demonstration teilzunehmen.

Viele Menschen sagen mir, ich solle auf mich aufpassen und ich solle auf meine Sicherheit achten. Das tue ich. In den Hotels, die ich auswähle, kann die Bild-Zeitung anrufen, 200 € auf den Tisch legen und niemand wird ihr sagen, dass ich da bin. Im Gegenteil. Man wird sagen, dass ich nicht da bin. Ich schäme mich nicht dafür, dass ich auch vor der Corona-Krise mein Geld gerne für gutes Essen und für gute Hotels ausgab. Meine Devise war immer, der Friedhof ist voll mit reichen Leichen. Meine liebe Frau und ich genießen das Leben und wir wissen nicht, wie lange es dauert. Ich habe keine Immobilien, ich habe keine Wohnungen oder Häuser, die ich vermiete, ich habe keine Reichtümer oder Aktiendepots und auch keine Kryptowährungen. Ich brauchte sie bis dahin nie und hätte sie wahrscheinlich auch nie gebraucht, wenn ich mich dazu entschlossen hätte, nichts zu sagen. Durch meinen hohen Bekanntheitsgrad und den Ruf meiner Praxis wäre ich sicherlich einer der Ärzte gewesen, die man als Leibärzte genommen hätte. Aber das ist nicht mein Stil.

Es ist ein beliebtes Spiel in den sozialen Medien oder auch in den Zeitschriften, dass man versucht, Menschen durch die Neiddebatte

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zu diskreditieren. Die Menschen, die mich von Anfang an begleiteten und meine Beiträge sahen, hörten mehr als einmal von mir, dass ich eben so bin und dass ich einfach Luxuswiderstand verkörpere. Jeder Mensch ist anders. Markus Haintz zum Beispiel bevorzugt Rucksack und Zeltplatz, Ralf ist eher der Nomade, der heute hier und morgen dort lebt. Ich bin eher der Fünf-Sterne-Typ. Das ist ein Spruch, den ich vor vielen Jahren prägte, als wir zum erneuten Male ein Hotel verließen, in dem wir merkten, dass wir uns jeden Tag belastet fühlten und uns nicht erholten. Es bringt nichts, wenn man in Urlaub geht und an einem Ort ist, an dem man sich nicht wohlfühlt. Gerade als es uns sehr schlecht ging, weil wir durch die Hausdurchsuchungen traumatisiert waren, war es für uns wichtig, in eine vollständig heile Welt zu fliehen, wo wir wussten, dass man uns schützt und uns niemand findet. Ich bin, wie ich bin. Ich stehe dazu. Ich schäme mich nicht dafür. Ja, ich bin Luxuswiderstand. Aber ich bin wenigstens Widerstand. Ich zeige mein Gesicht.

Wir verloren unseren Ruf, unsere Praxis, unser Heimatgefühl dafür, dass wir für andere das Gesicht zeigten. Dafür, dass wir für die Freiheit und die Gesundheit aller Menschen und der Kinder kämpften.

Ich danke allen Menschen, die uns halfen, die Kraft zu behalten, und uns die Möglichkeit gaben, uns so zu erholen, wie wir uns auch erholt haben, als noch niemand von Corona sprach.

Abbildung aus dem Buch, Originalseite 132
Originalseite 132 · Zum Vergrößern auf das Bild klicken

Mechthild und Bodo Schiffmann im Hotel Adlon in Berlin

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