Ken Jebsen
Ken Jebsen ist ein Ehrenmann. Ich hatte vor der Demokratiekrise 2020 den Namen noch nie gehört. Ich wusste nicht, dass es ein freies Medienportal mit dem Namen KenFM gibt. Ken machte sich sehr früh und sehr deutlich Gedanken über die politischen und journalistischen Veränderungen in Deutschland. Ich schaute seine fast täglich erscheinenden Videos an und war tief beeindruckt von seinem enormen Wissen. Das beste Video, das ich von ihm sah, war für manche Menschen wahrscheinlich unverständlich. Ich halte es für eines der wichtigsten Dokumente der letzten Monate. In diesem Video spielte Ken den Joker, den Erzfeind von Batman. Es war großartig, er hielt dem System den Spiegel vor. Wer das Video nicht kennt, sollte es sich anschauen, es ist zeitlos genial. Er zeigt den Menschen, wie sie mit Angst regiert werden, leider erreichte es nicht die richtigen Menschen. Ich lernte Ken das erste Mal persönlich in seinem Studio in Berlin kennen. Er wirkt so mächtig, wenn man ihn auf der Leinwand sieht.
Es war im ersten Lockdown. Hardy holte mich in Sinsheim ab und wir fuhren zusammen mit dem Auto dorthin. Wir brauchten etwas mehr als 5 Stunden, die Autobahnen waren leergefegt und geisterhaft. Wir

Ken Jebsen, Julia Szarvasy und Bodo Schiffmann
gingen durch zwei typische Berliner Hinterhöfe. Nirgendwo war zu erkennen, dass dort ein Fernsehstudio sein soll. Ich war ein bisschen enttäuscht. Vorbei an ein paar Fahrrädern stiegen wir in einen viel zu engen Aufzug, in dem wir zu viert mühsam Platz hatten. Als wir ausstiegen, wurden wir von Ken begrüßt und er nahm uns einfach in den Arm. So als ob wir uns schon immer gekannt hätten, so, als ob wir Freunde oder eine Familie wären. Ken wurde gerade von Julia Szarvasy von NuoViso interviewt. Wie nicht anders zu erwarten: Hardy kannte natürlich schon wieder beide. Ein glücklicher Zufall für mich, denn Julia fragte mich, ob sie direkt danach mit mir ein Interview machen dürfte. Und ich hatte die große Ehre, in dem berühmten Büro von Ken Jebsen, in dem auch das Video mit dem Joker entstanden war, interviewt zu werden. Mit dabei war noch Bernd Felsner von den Mutigmachern.
Nach einem kurzen Vorgespräch und nachdem ich geschminkt worden war, ging es dann mit dem Aufzug in das eigentliche Studio. Im Keller des Hauses, sehr dunkel, aber sehr schön. Ich schaute mir das Interview vor kurzem noch einmal an. Es gehört zu den schönsten Interviews, so wie auch das Interview mit Julia. Ich lernte hier echte Journalisten kennen. Keine, denen es um Reichtum und Ruhm ging, sondern um Wahrheit. Menschen, die seit Jahren für Frieden und Freiheit kämpfen, während ich der Illusion erlegen war, dass in Deutschland ja alles in Ordnung wäre. Nichts war in Ordnung. Ich hatte geschlafen. Niemand hatte mir den Weg in diese Parallelwelt gezeigt. Niemand hatte mir eine Pille angeboten, um die Wahrheit zu sehen. Der Zeitpunkt war wohl noch nicht reif. Ich musste viel lernen, ich hatte viel zu lesen, um mit ihnen aufzuschließen, in ihrem Verständnis von den Zusammenhängen der Welt. Es war das erste Mal seit dem Lockdown, dass ich mit vielen anderen Menschen Kontakt hatte und ihnen so nah war. Es war großartig, in den Arm genommen zu werden und sich nicht erklären zu müssen. Hier waren Menschen, die noch viel besser wussten als ich, wie es ist, wenn einem niemand glaubt und wenn man bekämpft wird. Wir haben in dem Moment alle gespürt, dass wir auf derselben Seite kämpfen und dass wir zusammenstehen müssen. Es war sehr beeindruckend.
Wir brauchen dringend eine freie Presse. Wir brauchen Menschen, die für die Wahrheit recherchieren und nicht um eine Meinung zu bestätigen, die von der Industrie vorgegeben wird. Wir brauchen Menschen, die bereit sind, sich die Finger schmutzig zu machen und die Wahrheit
auszusprechen, auch wenn sie wehtut. Wir brauchen Menschen, die für unsere Kinder, für die Freiheit und Selbstbestimmung kämpfen. Wir brauchen Idealisten, die den Beruf des Journalisten wieder zu einem ehrbaren Beruf machen. Julia und Ken sind hier Vorbilder für kommende Generationen. Für mich sind sie Lehrer und ich hoffe, dass Ken Erfolg hat mit seiner Idee des Campus.

Bodo Schiffmann mit Ken Jebsen