Kapitel 016

Framing, Rubikon und Ken Jebsen

Dr. Bodo Schiffmann2. Auflage · September 2021Originalseiten 82–86
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Ich schilderte euch in den vorhergehenden Kapiteln schon meine völlige Irritation darüber, dass niemand meine Meinung zu diesem Thema hören wollte. Bei anderen Fragestellungen war es nie schwer, einen Gesprächspartner zu finden – wenn man sich als Gesprächspartner anbot, wurde das sehr gerne angenommen.

Es gab bei uns in der Praxis allerdings doch ein paar Anrufe von Sendern und von Formaten, von denen ich vorher noch nie etwas gehört hatte. Einer davon war „Rubikon“, ein freies Medienjournal, das mir bis zu dem Zeitpunkt nicht bekannt war. Ich tat dann das, was man in diesem Fall üblicherweise so tut: Ich rief mir Google auf und schaute nach, was ich dort über diesen Kanal fand. Der Kanal wurde als rechtsradikal oder rechtsoffen beschrieben und man sagte, er würde Verschwörungstheorien verbreiten. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, als mein Kollege aus der Praxis mir die Interviewanfrage vorlegte und ich ihm dann sagte: „Oh je, das sind Nazis oder Rechtsradikale. Da kann ich natürlich meine Meinung nicht kundtun, sonst nimmt mich keiner mehr ernst.“

Daran kann man vielleicht erkennen, wie gut diese Meinungsmache funktioniert und wie leicht man davon zu beeinflussen ist. Ich machte mir nicht die Mühe, mir die Internetseite näher anzuschauen. Ich machte mir nicht die Mühe, einzelne Artikel zu lesen oder mich darüber zu informieren, welche Bücher in diesem Kanal beworben oder vertrieben wurden. Ähnliches galt für Gesprächsanfragen von NuoViso oder KenFM.

Die Anrufe und Anfragen und E-Mails abseits der Mainstream-Medien nahmen zu dieser Zeit schon überhand und mein Team war größtenteils nur noch damit beschäftigt, Anfragen zu sortieren, zu beantworten oder zu löschen. Ich sagte meinen Mitarbeitern, wir müssten sehr aufpassen, dass wir uns nicht verbrennen, wenn wir hier den falschen ein Interview geben. Denn ich war ja immer noch der Überzeugung, man würde in sehr kurzer Zeit aus einem bekannten Format mit mir sprechen wollen. Insbesondere, weil mir immer wieder Menschen berichteten, sie hätten meine Anhörung als Experte bei Markus Lanz vorgeschlagen. Die Zeit verging, ich produzierte Video über Video, doch niemand von den Mainstream-Medien wollte mit mir reden. Irgendwann war es dann so weit, dass die ersten Videos zensiert wurden.

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Das erste Video von mir, welches auf YouTube gelöscht wurde, ohne Vorwarnung oder Rückmeldemöglichkeit, war das berühmte Video Corona 11. In diesem Video berichtete ich darüber, dass eine sogenannte Katastrophenschutzorganisation die Regierung berät und es Pläne dazu gab, dass man über 80-jährigen Menschen mit Beschwerden eine schnelle Sterbebegleitung verpassen möchte. Da ich seit vielen Jahren als Rettungsdienstmitarbeiter Erfahrung mit Triage habe, kann ich eindeutig sagen, dass es niemals das Alter ist, das die Entscheidung geben darf, ob man sich dem einen oder anderen Patienten zuwendet. Es müssen immer andere schwerwiegende medizinische Gründe dafür vorliegen, wenn man jemandem die Hilfe verweigert, weil man zum Beispiel nicht genug Personal zur Verfügung hat, um alle Verletzten zu behandeln. Dies gilt zum Beispiel für den Anfall von Verletzten bei Verkehrsunfällen, Zugunfällen oder auch Attentaten. Ich denke, diese Entscheidungsgrundlage ist auch richtig so, denn der 80-Jährige könnte auch noch 25 Jahre leben und der 5-Jährige vielleicht nur noch ein halbes Jahr. Es muss sich immer um Einzelfallentscheidungen handeln, es darf sich niemals um eine Altersentscheidung handeln. Zum selben Zeitpunkt wurde auch bekannt, dass die Apotheken in Deutschland angewiesen wurden, sich mit Betäubungsmitteln einzudecken, die dazu geeignet sind, Menschen schnelle Sterbehilfe zu geben. Diesem Papier wurde nie widersprochen, es wurde auch niemals dementiert, und möglicherweise war dieses Video lebensrettend für viele Menschen. Ich bin davon überzeugt, dass das so ist.

Die Anfragen aus den alternativen Medien stiegen an und irgendwann entschied ich mich dafür, gezielt den Kontakt aufzunehmen und die Betreiber der Kanäle, die bei mir vergeblich angefragt hatten, anzurufen und ihnen ein Interview anzubieten. Das erste Interview, das ich führte, war mit dem Sender Rubikon. Es war ein sehr angenehmes und offenes Interview mit einem jungen Journalisten namens Flavio. Von diesem Moment an erhielt ich immer mehr Gesprächsangebote und nahm diese auch gerne wahr. Eines der aus meiner Sicht besten Interviews erlebte ich mit Ken Jebsen in Berlin. Am selben Tag war interessanterweise das Team von NuoViso vor Ort, um Ken zu interviewen. Auf diese Weise gab ich gleich zwei Interviews an einem Tag. Ich erinnere mich noch sehr gut, als wir beim Studio ankamen und durch zwei Berliner Hinterhöfe geführt wurden. Wir fuhren mit einem sehr kleinen Aufzug in die Produktionsräume. Dieser Aufzug war so eng, dass wir wie in einer Konservendose zusammenstanden. Oben angekommen empfing man uns im wahrsten Sinne des Wortes

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mit offenen Armen und wir nahmen uns alle in den Arm und hielten uns fest. Das war ein sehr bewegender Moment für mich, denn das Interview fand während des ersten Lockdowns statt. (Alle Menschen hielten Abstand, niemand nahm den anderen in den Arm. Allein die Fahrt nach Berlin war ein Phänomen für sich, weil ich noch nie in meinem Leben eine so leere Autobahn gesehen hatte und wir in einer Rekordzeit von weniger als 6 Stunden von Sinsheim bis Berlin fuhren). Dieses Gefühl des gegenseitigen Vertrauens hatte irgendetwas von einer verschworenen Gemeinschaft, die gemeinsam um ihr Überleben kämpft. Das mag jetzt etwas übertrieben klingen, aber genauso fühlte es sich an, denn wir erkannten schon damals, in welche Richtung sich die Welt bewegte. Keiner traute sich so richtig, es auszusprechen. Es fällt schwer, Vergleiche zu totalitären Staaten anzustellen, weil wir hier auch eine Hemmschwelle in uns hineinprogrammiert bekommen haben, sodass man sich damit schwertut, die Wahrheit auszusprechen. Die Wahrheit ist, wir waren schon damals politisch Verfolgte, die eine andere Meinung äußerten, als sie der Staat gerne hätte. Es bemühten Menschen einmal den Vergleich mit der weißen Rose und wurden dafür sehr stark angegriffen. Der Unterschied ist gar nicht so groß. Die Geschwister Scholl wurden dafür ermordet. Viele Aktivisten, die ich kenne, haben Mordanschläge hinter sich. Das betrifft Ken Jebsen, es betrifft Kai Stuht und es betrifft mich. Auch auf Michael Ballweg wurde ein Sprengstoff-Anschlag verübt. Insofern nehme ich mir das Recht raus, mich als Widerstandskämpfer mit anderen Widerstandskämpfern zu vergleichen, die friedlich versuchen, Menschen davon zu überzeugen, dass die Regierung nichts Gutes will. Ich weiß auch nicht, wem das Recht zusteht, eine Entscheidung darüber zu treffen, ob man sich mit jemand anderem vergleichen darf oder nicht. Diese Geschwister aus dem Raum Heilbronn sind auf jeden Fall große Vorbilder und wir ehren alle ihr Andenken und bewundern das, was sie getan haben. Wenn man das Spiel einmal durchschaut und erkennt, dass der Staat immer wieder mit denselben Methoden arbeitet, um Menschen zu diskreditieren, dann erkennt man auch sehr schnell, welche Menschen die Wahrheit berichten. Ich sprach in den letzten Monaten mit vielen Menschen, denen man unterstellte, sie wären rechtsradikal, linksradikal oder islamistisch. Bei keinem meiner Gesprächspartner konnte ich das erkennen. Aber es ist ein wirksames und sehr schnelles Instrument, um in den meisten Menschen einen Mechanismus anzustoßen, der ihnen jede objektive Beurteilung unmöglich macht.

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Alle Menschen müssen diese Mechanismen kennen, denn nur wenn sie diese kennen, lassen sie sich nicht mehr blenden. Man muss den Menschen erklären, wie dieses Einrahmen, im englischen Framing genannt, genau funktioniert. Dann erkennt man nämlich sehr schnell, wann dies auf einen Menschen angewendet wird. Alle Menschen müssen lernen, wie die öffentliche Meinungsbildung funktioniert, um sich davor schützen zu können, manipuliert zu werden. Auch hierfür ist die Pandemiegeschichte des Jahres 2020 gut geeignet und sie wird uns helfen, in Zukunft solche Angriffe auf die Objektivität frühzeitig zu erkennen.

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