Kapitel 011

Mein YouTube-Kanal

Dr. Bodo Schiffmann2. Auflage · September 2021Originalseiten 65–69
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Schwindelpatienten kann man häufig mit sehr einfachen Mitteln und Methoden helfen. Dazu gehören insbesondere Übungen, die die Patienten zu Hause durchführen können. Aber es gibt auch tatsächlich kleine, sogenannte Lagerungsmanöver, mit denen sich Patienten auch selbst komplett von ihrer Krankheit befreien können. Ich überlegte lange, wie ich auf einfache Art und Weise Menschen die Möglichkeit geben kann, sich selbst zu helfen. Irgendwann entdeckte ich YouTube dafür und da ich sehr gerne mit Technik spiele, fand ich es auch sehr spannend herauszufinden, wie man diese Filme macht, wie man zum Beispiel mit einem Greenscreen arbeitet und wie man Animationen herstellen kann. Mir bereitete das Ganze viel Freude und es entstanden mit der Zeit kleine, nicht sehr professionelle Videos, die ich unter anderem mit Figuren der Sesamstraße drehte. Aber diese Videos waren bei YouTube beliebt. Sehr viele Menschen konnten sich anhand dieser einfachen Anleitungen helfen und hatten die Möglichkeit, sich selbst von ihren Schwindelbeschwerden zu befreien oder aber zumindest eine Erleichterung zu erfahren.

Mit zunehmender Erfahrung im Bereich der Videobearbeitung wurde auch die Ausstattung besser und auch andere Mitarbeiter in meiner Praxis fingen an, Spaß an diesen Videos zu haben. Wir begannen, gemeinsame Videos zu produzieren, bauten uns ein kleines Studio und nahmen verschiedene Videos auf, die noch gar nicht alle veröffentlicht sind. Ich machte auch viele Videos über Krankheitsbilder und erklärte diese so, dass man sie ohne medizinisches Grundwissen verstehen kann. Auch bei Schwindelpatienten spielt Angst eine sehr große Rolle. Schwindel ist der maximale Kontrollverlust. Das heißt, man weiß nicht, was mit einem passiert und das macht einem sehr viel Angst, weil man denkt, man hätte eine schwere Erkrankung wie zum Beispiel einen Schlaganfall oder einen Tumor. Wenn man Menschen erklärt, wie ihre Beschwerden entstehen und warum sie sich keine großen Sorgen machen müssen, hat man aus der Schwindelerkrankung schon einen großen Teil der Spannung rausgenommen. Man gibt den Patienten die Möglichkeit, sich wieder selbst die Kontrolle über ihr Leben zurückzuholen.

Diese kleinen Videos hatten einen großen Einfluss im Internet und wurden sehr häufig aufgerufen. Dadurch erlangte der Kanal „Schwindelambulanz Sinsheim“ eine gewisse Bekanntheit. Ich machte mir über den Namen Schwindelambulanz nie großartig Gedanken, weil es

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letztendlich ja genau das war, worum ich mich kümmerte, nämlich um Patienten mit Schwindelerkrankungen. Mein Ziel war, ihnen zu helfen. Die Doppeldeutigkeit des Begriffes Schwindel war mir allerdings nicht bewusst. Mit der Zeit, als ich anfing, Aufklärungsvideos zum Thema Covid-19 zu erstellen, musste ich allerdings erkennen, dass die Menschen glaubten, es würde sich um einen Scherz handeln, wenn ich von der Schwindelambulanz sprach. Und auch die Presse arbeitete daraus den wenig schmeichelhaften, aber, wie ich zugeben muss, naheliegenden Namen Schwindelarzt heraus. Viele Menschen, die meine Videos sahen, glaubten tatsächlich, dass ich überhaupt kein richtiger Arzt sei, sondern dass ich in meiner Schwindelambulanz den Schwindel um die angebliche Pandemie aufklären wollte. Man hielt es für ein Satireformat, man hielt mich nicht für einen Arzt, sondern einfach für einen Aktivisten.

Ich setzte das Video bewusst auf meinen YouTube-Kanal, weil ich wusste, dass dieser bereits ein sehr gutes Ranking hatte und zu den sogenannten Influencern gehörte, demnach viele Menschen meinen Kanal sahen. Es war das Ziel, dass mein Video von vielen Leuten gesehen wird, weil ich nicht dachte, dass es mehr als ein Video geben würde. Ich war der Überzeugung, wenn ich einmal erkläre, dass hier die Zahlen falsch interpretiert werden, würde ein Politiker oder ein Angehöriger eines Politikers dieses Video sehen und es zum Beispiel der Kanzlerin oder irgendeinem anderen Entscheidungsträger vorlegen, der dann sofort realisieren würde, dass Christian Drosten erneut falsche Empfehlungen gab.

Eigentlich ist YouTube eine großartige Erfindung, weil es Menschen die Möglichkeit gibt, selbst ihre Meinung in Bild und Ton wiederzugeben, Inhalte aufzuarbeiten, Recherchen zu machen und sich auch in ihrer Freizeit als Reporter zu betätigen. Man findet auf YouTube sehr wertvolle Anleitungen, Tipps und Erfahrungen, die man sonst nicht mitbekommen hätte. Ich bin ein großer Freund dieser Art der Medien. Hier kann auch der Zuschauer selbst entscheiden, ob er den Kanal gut findet und kann ihn dann entsprechend unterstützen oder ihn aber nicht unterstützen; also nicht wie bei den sogenannten GEZ-Medien, wo man jedem Geld bezahlen muss, auch wenn man ihn nicht mag. Die meisten Kanäle waren, genauso wie meiner, allerdings nie dafür vorgesehen, Geld damit zu verdienen. Sie waren ein Hobby und sie waren eine gute Idee, um anderen Menschen zu helfen, ihre Erfahrungen zu teilen und auch mit ihnen über den Chat in Kontakt

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zu kommen. Leider mussten wir alle lernen, dass die Meinungsfreiheit und die Pressefreiheit in Deutschland in Wirklichkeit keine garantierten Rechte sind, sondern hohle Phrasen, und dass es in kaum einem Land so viel Zensur gibt wie in Deutschland.

Um an ein anderes Kapitel zu erinnern (wenn mir das 2019 einer erzählt hätte, hätte ich ihn für verrückt erklärt): Ich war immer der Überzeugung, wir wären im tolerantesten Land und bei uns wären die größten Freiheiten und die Pressefreiheit absolut garantiert, genau wie die Meinungsfreiheit. Ich dachte nicht, dass es irgendetwas gäbe, worüber man sich Gedanken machen müsste, wenn man es in Deutschland ausspricht, dass man dafür verfolgt oder zensiert würde. Die Meinungsfreiheit war für mich und ist für mich ein sehr hohes Gut, und es muss auch eine der Lehren aus der Pandemie sein, dass es nie wieder zu Einschränkungen der Bürgerrechte und insbesondere der Presserechte sowie der Meinungsfreiheit kommen darf. Grundrechte sind Grundrechte und wenn in einem Grundgesetz steht, dass eine Zensur nicht stattfindet, gibt es nichts, aber auch gar nichts, was ein Durchbrechen dieses Grundgesetzes rechtfertigt. Auch wenn eine Meinung dem Staat nicht gefällt, dann ist es dennoch eine Meinung aus dem Souverän, also aus dem Volk, und wenn der große Teil des Volkes auf einmal nicht mehr die Meinung der Regierung teilt, dann hat die Regierung abzutreten, weil das Volk es so will. Es müsste eigentlich Aufgabe der Regierung sein, bessere YouTube-Videos zu produzieren und mehr Follower zu kriegen, als das ein kleiner HNO-Arzt aus Sinsheim tut. Aber man wählte den einfacheren Weg und entschied sich dafür, einfach diese Meinung als unerwünscht oder staatsgefährdend zu deklarieren.

Zu keinem Zeitpunkt hatte ich Umsturzgedanken oder Anarchiegedanken bei dem, was ich tat. Ich glaube an die Demokratie und ich glaube daran, dass eine Demokratie funktionieren kann. Dazu gehört aber, dass jede Meinung zugelassen ist und dass man die besseren Argumente besitzen muss, um seine Meinung durchzusetzen, und nicht einfach mehr Macht. In Deutschland ist das nicht der Fall. Es gibt keine wissenschaftlichen Grundlagen für die Maßnahmen und noch nicht einmal für die Erklärung einer Pandemie. Einschränkungen der Grundrechte sind in keiner Weise irgendwie akzeptabel und sie sind auch nicht verhandelbar. Ich kämpfe für die Demokratie, ich kämpfe für die Freiheit, ich kämpfe für Selbstbestimmung und Meinungsfreiheit, ich kämpfe gegen Zensur.

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Ich wünsche mir, dass alle Medien wieder frei werden, dass jeder seine Meinung sagen kann und dass man sich miteinander auseinandersetzt, und wenn jemand eine andere Meinung vertritt, dass man versucht, die Menschen durch Argumente davon zu überzeugen, dass die Meinung des anderen falsch ist. Aber jeder sollte die Möglichkeit haben, in Wort und Bild sprechen zu dürfen.

Abbildung aus dem Buch, Originalseite 68
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Bodo Schiffmann im selbstgebastelten Studio der Schwindelambulanz

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